"Schwerer Schlag" für die Rebellen

Taliban-"Militärchef" Dadullah getötet

US-Truppen haben den für seine Grausamkeit bekannten „Militärchef“ der Taliban in Afghanistan getötet und den Rebellen damit ihren bislang schwersten Verlust zugefügt. Mullah Dadullah sei bei einer Operation der US-geführten Koalitionstruppen in Südafghanistan ums Leben gekommen, teilte die Internationale Schutztruppe ISAF am Sonntag mit.

Der Rebellenführer "wird ganz sicher mit der Zeit ersetzt werden, aber der Aufstand (der radikal- islamischen Taliban) hat einen schweren Schlag erlitten". Mullah Dadullah gehörte bis zu seinem Tod dem zehnköpfigen Taliban- Führungsrat an.

Mullah Dadullahs Leiche wurde im Gouverneurspalast in der südafghanischen Stadt Kandahar zur Schau gestellt. Die Regierung und der Geheimdienst Afghanistans bestätigten seinen Tod. Die NATO- geführte ISAF, die die US-Operation unterstützte, teilte mit, der einbeinige Taliban-Kommandeur habe Selbstmordattentäter trainiert und trage Schuld am Tod vieler Afghanen. Mullah Dadullah war im März für die Entführung des italienischen Journalisten Daniele Mastrogiacomo, des afghanischen Reporters Ajmal Naqshbandi und von deren Fahrer verantwortlich. Mastrogiacomo wurde gegen fünf inhaftierte Taliban- Kämpfer ausgetauscht, die beiden Afghanen wurden enthauptet.

Der Gouverneur der Provinz Kandahar, Assadullah Khalid, nannte Mullah Dadullah am Sonntag "eine wilde Bestie, die kein Menschenleben verschont hat". In Interviews in den Monaten vor seinem Tod hatte Mullah Dadullah, der ein enger Vertrauter von Taliban-Chef Mullah Omar war, eine neue Welle von Selbstmordanschlägen in Afghanistan angekündigt. Im vergangenen Jahr wurden dort fast 140 solcher Anschläge verübt, weit mehr als je zuvor. Khalid sagte, der Taliban- Anführer bei einer gemeinsamen Operation der afghanischen Armee und der Koalitionstruppen getötet worden.

Mullah Dadullah wird auch für den Tod vieler Zivilisten während des Ende 2001 gestürzten Taliban-Regimes in Afghanistan verantwortlich gemacht. Bei der US-geführten Invasion nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gelang ihm die Flucht nach Pakistan. Dort soll er Kämpfer für den radikal-islamischen Aufstand in Afghanistan rekrutiert und maßgeblich zum Wiedererstarken der Taliban beigetragen haben. Mullah Dadullah hatte im Kampf gegen die Rote Armee in Afghanistan in den 80er Jahren ein Bein verloren. Bei seinen Gegnern war er wegen seiner Grausamkeit gefürchtet.

Im Mai vergangenen Jahres hatten afghanische Behörden die Gefangennahme Mullah Dadullahs vermeldet, was sich aber als falsch herausgestellte. Auch Meldungen des Innenministeriums in Kabul über eine mögliche Einkesselung Mullah Dadullahs vor wenigen Wochen in der südafghanischen Provinz Urusgan bestätigten sich nicht. Die Taliban, die die früheren Falschmeldungen stets umgehend dementiert hatten, äußerten sich am Sonntag auf ihrer Internetseite nicht zum Tod Mullah Dadullahs. Der Rebellensprecher war nicht zu erreichen.

Im vergangenen Jahr kamen in Afghanistan etwa 4000 Menschen gewaltsam ums Leben, so viele wie in keinem anderen Jahr seit dem Sturz der Taliban. Unter den Opfern waren viele Zivilisten. Die meisten der zivilen Opfer wurden durch Anschläge der Taliban verursacht. Immer wieder sterben aber auch Unbeteiligte bei Einsätzen der internationalen Truppen in Afghanistan.