Eurovision Song Contest

Serbien gewinnt - Deutschland nur auf Platz 19

Serbien hat zum ersten Mal den Eurovision Song Contest gewonnen. Die serbische Sängerin Marija Serifovic lag mit ihrer bewegenden Ballade „Molitva“ am Samstagabend klar vor der Ukraine und Russland.

Für Deutschland gab es eine weitere Pleite: Roger Cicero wurde von den europäischen Fernsehzuschauern mit seinem Swing-Song "Frauen regier'n die Welt" nur auf Platz 19 von 24 Teilnehmern gewählt, obwohl er in der Helsinki Arena einen guten und stilvollen Auftritt hingelegt hatte. Im vergangenen Jahr war Deutschland mit der Country-Band Texas Lightning in Athen 15. geworden. Der bislang einzige Sieg mit Nicoles "Ein bißchen Frieden" liegt 25 Jahre zurück.

Cicero zeigte sich sehr "enttäuscht". "Dass es doch so extrem ausgeht, damit hätte ich persönlich jetzt doch nicht ganz gerechnet", sagte der 36-Jährige in der ARD-Grand-Prix-Show in Hamburg. "Die Enttäuschung ist schon recht groß", meinte der Swing-Musiker. Die deutschen Fans stehen aber offensichtlich weiter zu ihm: Es gab heftigen Beifall als Cicero auf der Leinwand erschien. Lachen konnte der in Hamburg lebende Sänger denn auch schon wieder - und sich aufs Feiern freuen: "Jetzt geht es auf zur After-Show-Party. Dann gucken wir uns das Getummel noch ein bisschen an."

Der Auftritt Ciceros war gut und professionell. Im schneeweißen Anzug mit passendem Hut präsentierte er seinen Song mit Esprit, seine Musiker hatten ebenfalls sichtlich Spaß auf der Bühne. Die Dekoration versprühte Las-Vegas-Flair, der Name Roger Cicero prangte in großen glitzernden Lettern auf der Leinwand im Hintergrund. Allerdings ließ der routinierte Auftritt einen echten Kracher vermissen.

Die Gewinnerin aus Serbien verzichtete bei ihrem Auftritt zwar auch auf jegliche Showeffekte, brachte dafür aber jede Menge Wucht und Gefühl rüber. So emotional, wie sie ihre Ballade schmetterte, erntete sie schon bei den Proben jedes Mal Szenen-Applaus. "Ich hoffe, das hat Einfluss auf den nächsten Contest. Ich mag es, Musik zu hören, nicht sie anzuschauen. Ich hoffe, der nächste Grand Prix in Belgrad wird ein Lieder-Wettbewerb" - und kein Show-Contest, sagte die 22-jährige Serifovic auf der Sieger-Pressekonferenz.

Auf jeden Fall war dieser 52. Eurovision Song Contest ein Wettbewerb der Osteuropäer: Auf den Plätzen 1 bis 16 liegen bis auf die Türkei und Griechenland nur Länder aus dem ehemaligen sozialistischen Einflussgebiet. Die Nord- und Westeuropäer müssen sich mit den Plätzen 17 (Finnland) bis 24 (Irland) begnügen. Das dürfte erneut zu hitzigen Diskussion über Punkteschieberei zwischen osteuropäischen Freunden führen. Der Ruf nach Regeländerungen war schon nach dem Halbfinale am Donnerstag laut geworden: Neun der zehn Qualifikanten kamen aus dem Osten. Und tatsächlich erhielt Serbien im Finale von allen ehemaligen jugoslawischen Republiken die Höchstzahl von zwölf Punkten (Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien und Mazedonien) - aber auch von etlichen westlichen Ländern gab es hohe Wertungen.

Es war das erste Mal, dass Serbien und Montenegro getrennt beim Grand Prix auftraten. Für Montenegro war bereits im Halbfinale Schluss, Serbien landete den Überraschungscoup, denn Balladen haben es prinzipiell schwer bei dem showlastigen Contest. Das zeigen auch die folgenden Plätze: Die schrille Transvestiten-Kunstfigur Verka Serduchka - der diesjährige Liebling der Eurovisions-Gemeinde - kam mit dem Trash-Song "Dancing Lasha Tumbai" auf Platz zwei; das russische Mädchen-Trio Serebro belegte mit lasziven Blicken und ihrem krachenden Pop-Rock-Lied "Song 1" Platz drei. Der türkische Beitrag "Shake It Up Shekerim" von Kenan Dogulu, der aus Deutschland zwölf Punkte bekam, landete auf dem vierten Rang.

Die 9000 Fans in der Halle gingen bei jedem Song voll mit. Hunderte Fahnen der Teilnehmerländer wurden geschwenkt, etliche Zuschauer hatten sich ihre Nationalfarben auf die Gesichter geschminkt oder waren bunt verkleidet. Viele deutsche Fans erschienen im stilvollen Swing-Outfit: Mit Hut, Anzug und Krawatte - gerade so wie Roger Cicero. Das finnische Fernsehen YLE lieferte eine gute Show ab: Selbstironische Einspielfilmchen zwischen den Beiträgen, einige witzige Gag-Einlagen und ein sympathisches Moderatoren-Duo machten den ersten Grand-Prix aus Finnland zu einem Erfolg. Im nächsten geht es dann in die serbische Hauptstadt Belgrad.