Telrkom-Hauptversammlung

Stellenumbau: Telekom-Vorstand bleibt hart

Ungeachtet der Proteste um die Auslagerung von rund 50 000 Mitarbeitern in die T-Service hält Telekom-Chef René Obermann an seiner Strategie fest. Das Unternehmen sei in eine wettbewerbliche Schieflage geraten und dringend reformbedürftig, sagte er am Donnerstag vor 8500 Aktionären auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Köln.

Die Kosten müssten gesenkt werden. Belegschaftsaktionäre unterbrachen Obermann während seines Lageberichtes mehrfach durch ein gellendes Pfeifkonzert und Buhrufe.

Begleitet war das Aktionärstreffen in Köln wieder von bundesweiten Warnstreiks, an denen sich nach Angaben der Gewerkschaft ver.di rund 15 000 Telekom-Beschäftigte beteiligten. Nachdem die Verhandlungen zwischen Telekom und Gewerkschaft über den Stellenumbau in der vergangenen Woche ergebnislos abgebrochen worden waren, droht nun der größte Arbeitskonflikt seit Privatisierung des Unternehmens vor zwölf Jahren. An diesem Freitag soll die Große Tarifkommission die Urabstimmung über Durchführung von Streiks beschließen.

Neben dem Stellenumbau, den die Telekom bereits zum 1. Juli umsetzen möchte, plant Obermann wieder Zukäufe im Ausland, um das Unternehmen auf den Wachstumspfad zurückzuführen. "Allein aus dem Deutschlandgeschäft heraus werden wir nicht weiter als Konzern wachsen können", sagte er.

Nach der Ablehnung eines entsprechenden Tarifangebots für die betroffenen Mitarbeiter durch die Gewerkschaft ver.di will der Telekom-Vorstand T-Service nun im Alleingang gründen. "Zusätzlich werden wir uns jetzt mit einem möglichen Verkauf von Teilen der Servicebereiche an Drittanbieter auseinandersetzen müssen", warnte Obermann. Das Angebot der Telekom, das eine Lohnkürzung um neun Prozent und eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit um vier Stunden vorsieht, hält er aufrecht. "Die Tür für eine Einigung mit ver.di bleibt offen."

Die Fondsgesellschaft DWS stellte sich hinter die Umbaupläne von Obermann. "Hindert man ein Unternehmen daran, mit wettbewerbsfähigen Kosten zu agieren, werden alle verlieren, das Unternehmen und die Beschäftigten", sagte Fondsmanager Klaus Kaldemorgen. Er kritisierte indes die Akquisitionspläne der Telekom-Führung als "vage" und regte einen Verkauf der Mobilfunktochter T-Mobile USA an, was Obermann umgehend zurückwies. T-Mobile sei integraler Bestandteil des Konzerns. Die US-Tochter werde 2007 und 2008 insgesamt 5 Millionen Kunden gewinnen und damit zum Wachstum des Konzerns beitragen.

Der Konflikt zwischen der Telekom und ver.di erhielt zusätzlich Brisanz durch die Berufung von Conti-Manager Thomas Sattelberger zum neuen Personalvorstand, die Obermann gegen das Votum der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat durchsetzte. "Wir werden uns dennoch um eine konstruktive Zusammenarbeit bemühen", sagte Lothar Schröder, ver.di-Vorstand und Telekom-Vizeaufsichtsratschef. Das Personalressort wird seit Jahresanfang kommissarisch von Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick verantwortet. Sattelberger werde nun "gleitend" in die Gespräche über den Konzernumbau eingeführt, sagte Eick.

Der Telekom-Vorstand wird sich am eingeschlagenen Sparkurs durch Gehaltsverzicht beteiligen. Die Mitglieder des Führungsgremiums würden ein Monatsgehalt weniger bekommen, sagte Obermann. Bei ihm sind es zwei Monatsgehälter, was in etwa 200 000 Euro entspricht. Der Vorstand sei sich der schwierigen Lage in Bezug auf die Mitarbeiter bewusst und wolle seine Solidarität zum Ausdruck bringen, sagte der Telekom-Chef.

Die Telekom steht wegen der schwachen Entwicklung auf dem Heimatmarkt enorm unter Druck und hatte daher im Januar erneut ihre Prognose für 2007 gesenkt. Neben Einbußen im Mobilfunk verbuchte der Konzern vor allem Rückgänge im Festnetzgeschäft. Im ersten Quartal kündigten laut Angaben aus Konzernkreisen rund 600 000 Kunden ihren Festnetzanschluss bei der Telekom.

Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen mehr als zwei Millionen Festnetzanschlüsse an die Wettbewerber verloren. Insgesamt erwirtschaftete der größte europäsche Telekom-Konzern 2006 einen Umsatz von 61 Milliarden Euro und einen Konzernüberschuss von 3,2 Milliarden Euro. Die Aktionäre erhalten unverändert eine Dividende von 0,72 Euro.

© Hamburger Abendblatt 2019 – Alle Rechte vorbehalten.