Suchtbericht 2007 - Zahl der Drogentoten weiter gesunken

Während die Zahl der Drogentoten stetig sinkt, ist die Bundesregierung alarmiert von dramatischen Missbrauchszahlen bei Alkohol, Tabak und Medikamenten. Die Verharmlosung der Alltagsdrogen müsse ein Ende haben, forderte die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing am Donnerstag bei der Vorstellung des Suchtberichts 2007.

Neuen Gesetzen - etwa gegen das Kampftrinken bei Jugendlichen - erteilte sie jedoch eine Absage.

Die Zahl der Drogentoten lag 2006 mit 1.296 auf dem niedrigsten Stand seit 1989. Bätzing führte dies auch auf eine verbesserte Behandlung von Schwerstabhängigen mit Ersatzstoffen wie künstlichem Heroin (Diamorphin) zurück. Die SPD-Politikerin appellierte an die Union, ihren Widerstand gegen eine Gesetzesänderung aufzugeben, um kommunale Abgabestellen auf Dauer zu sichern.

Gesetzesänderungen gegen den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen - etwa eine generelle Altersgrenze von 18 oder ein Verbot so genannter Flatrate-Partys - lehnte sie hingegen ab. Es gehe vor allem darum, die bestehenden Gesetze durchzusetzen. Die Kommunen müssten strengere Kontrollen in Gaststätten organisieren und die vorgesehenen Strafen verhängen.

Die Drogenbeauftragte der Unionsfraktion, Maria Eichhorn, ließ hingegen durchaus Sympathie für ein Alkoholverbot für Jugendliche und ein Verbot von Flatrate-Partys erkennen, bei denen man sich zum Pauschalpreis betrinken kann. Alle Möglichkeiten müssten genutzt werden, junge Menschen besser zu schützen.

Bätzing forderte allgemein mehr Aufmerksamkeit gegenüber "problematischem Trinkverhalten". Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland trinken Bätzing zufolge Alkohol in riskanter Menge, also mehr als ein Glas Bier am Tag. 1,6 Millionen seien abhängig. 40.000 Todesfälle im Jahr gingen auf Alkohol zurück.

Doping-Gesetz geplant

Der Nichtraucherschutz sei 2006 vorangekommen, zog Bätzing Bilanz und verwies auf die geplanten Rauchverbote auf Bundes- und Landesebene. Sie forderte noch einmal Verbote ohne Ausnahme auch in der Gastronomie. Die Raucherquote unter Jugendlichen, die in den vergangenen fünf Jahren bereits von 28 auf 20 Prozent gesunken war, will Bätzing 2008 auf 17 Prozent drücken. Bei den Über-18-Jährigen rauchen derzeit 33 Prozent. 140.000 Todesfälle pro Jahr werden mit Tabak in Verbindung gebracht.

Von Medikamenten abhängig sind Bätzing zufolge rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland, zwei Drittel davon Frauen. Vor allem junge Männer sind es aber, die Medikamente zu Doping-Zwecken im Freizeitsport missbrauchen. Ihre Zahl wird auf 200.000 geschätzt. Die Bundesregierung hofft auf die abschreckende Wirkung eines geplanten Gesetzes, das den Besitz von Dopingmitteln strafbar macht.

Mehr tun will Bätzing gegen den Missbrauch von Cannabis. Durch Aufklärung und Hilfsangebote soll die Quote von Jugendlichen, die die Droge in riskanter Weise regelmäßig konsumieren, 2008 von fünf auf drei Prozent gesenkt werden.

Von der Opposition bekam die Drogenbeauftragte schlechte Noten. Die Regierung ziehe unzureichende Konsequenzen aus den erschreckenden Zahlen, erklärten die Grünen. Die Linke erinnerte daran, dass alle Bundestagsparteien bis auf die Union für die Diamorphinabgabe seien, der SPD fehle nur der Mut. Die FDP verlangte "massive Anstrengungen" im Kampf gegen den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen, wandte sich aber gegen Verbote.

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