Tag der Arbeit: Es herrscht Redebedarf

Kundgebungen zu Mindestlohn und Tarifstreit

Lohndumping und die aktuellen Warnstreiks in der Metall- und Elektrobranche dürften den hochrangigen Rednern aus Politik und Gewerkschaften am ersten Mai reichlich Zündstoff liefern. Unter dem Motto „Du hast mehr verdient! Mehr Respekt. Soziale Gerechtigkeit. Gute Arbeit“ wollen sie sich in Hamburg für die Rechte der Arbeitnehmer stark machen.

Hamburg. Redner der Hauptkundgebung ist unter anderem IG-Metall-Chef Jürgen Peters. Ihm gilt bundesweit Aufmerksamkeit, da es in der deutschen Metall- und Elektroindustrie nach Ende der Friedenspflicht bereits Warnstreiks gibt. Hamburgs DGB-Chef Erhard Pumm kritisierte vor den traditionellen Umzügen zum ersten Mai Lohndumping als ein Zeichen von "Würdelosigkeit und Respektlosigkeit". Ebenfalls als Redner angekündigt ist Hamburgs SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann.

Bereits am Montagmorgen hatten mehrere Hundert Beschäftigte der Metall- und Elektrobranche in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hessen und Baden-Württemberg die Arbeit vorübergehend niedergelegt. Weitere Warnstreiks sind angekündigt. Die IG Metall fordert für die Beschäftigten der Branche Einkommensverbesserungen von 6,5 Prozent. Das Angebot der Arbeitgeber lag bis zuletzt bei 2,5 Prozent und einem einmaligen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent.

Pumm betonte, jeder müsse vom Lohn seiner Arbeit anständig leben können. Dass dies selbst in einer wirtschaftsstarken Stadt wie Hamburg nicht gewährleistet sei, empfinde er als eine "soziale Schande". Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in der CDU (CDA) betonte die große Bedeutung der Gewerkschaften. "In Zeiten, wo in vielen Bereichen die Arbeitnehmerrechte wieder zurückgeschraubt werden, sind Gewerkschaften wichtiger denn je", sagte Hamburgs CDA-Chef Egbert von Frankenberg.

Im vergangenen Jahr waren zur Hauptkundgebung in Hamburg rund 6300 Demonstranten gekommen. In Lübeck lag die Teilnehmerzahl bei rund 1500, in Kiel bei etwa 1200 Menschen. Der ersten Mai steht seit mehr als 100 Jahren weltweit für die internationale Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Ausgangspunkt war ein mehrtägiger Streik von Arbeitern in Chicago für die Einführung des Acht-Stunden-Tags, der am ersten Mai 1886 begann und in einer blutigen Polizeiaktion endete.

( dpa, abendblatt.de )