Südafrikanische Zeitung schockiert am Freiheitstag

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Mit einer ungewöhnlichen Anzeige zum 13.Jahrestag der ersten demokratischen Wahl in Südafrika hat die Zeitung "Sowetan" einen Skandal verursacht.

Johannesburg. Mit einer ungewöhnlichen Anzeige zum 13.Jahrestag der ersten demokratischen Wahl in Südafrika hat die Zeitung "Sowetan" einen Skandal verursacht. Der zumeist von Afrikanern gelesene "Sowetan" prangerte in Anlehnung an die berühmte Rede des schwarzen US-Bürgerrechtlers Martin Luther King ("Ich habe einen Traum") mit bitterem Sarkasmus die im Lande grassierende brutale Gewalt an. Das Blatt hat seine Wurzeln im berühmten Johannesburger Schwarzen-Armenviertel Soweto. Der nationale Fernsehsender SABC weigerte sich, die Anzeige auszustrahlen. Ein Mitarbeiter sagte der Zeitung "The Independent", die Anzeige grenze an Aufstachelung zum Hass.

Im Einzelnen zählt die Zeitung darin am Vortag die Vergewaltigung von Kindern, die Morde an weißen Farmern oder schwarzen Farmarbeitern und die Folgen der Aids-Epidemie auf. In dem Text heißt es sarkastisch: "Ich habe noch immer einen Traum. Ich habe einen Traum, dass diese Nation eines Tages gegen sich selber aufsteht und sich in eine Oase des Verbrechens, des Schmutzes und eine Heimat rassistischer Attacken und Ungerechtigkeiten wandelt."

"Sowetan2-Herausgeber Bongani Keswa betonte, der Text basiere auf Fällen, über die das Blatt bereits berichtet habe. Der Schluss des Textes lautet: "Lasst Chaos in den Straßen Südafrikas widerhallen - und wenn das passiert, werden wir uns alle an den Händen halten und singen:,Endlich frei!',,Endlich frei!', Danke lieber Gott, endlich sind wir frei!' - Südafrika, was hast Du mit Deiner Freiheit angestellt? Lass' es nicht verkommen, sondern schätze es."

Auch Präsident Thabo Mbeki hatte an dem landesweit als Feiertag (Freedom Day) begangenen Jahrestag am Freitag in Abkehr seiner bisherigen Haltung zum gemeinsamen Kampf gegen die hohe Kriminalität im Lande aufgerufen. Eine Minderheit der Gesellschaft setze "unvorstellbare Gewalt gegen gesetzestreue Bürger" ein, sagte er.