Rund 100 Verletzte in zweiter Krawallnacht in Estland

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In der zweiten Krawallnacht in Folge sind in Estland fast 100 Menschen verletzt worden. Bei Ausschreitungen vornehmlich russischstämmiger Jugendlicher nahm die Polizei nach eigenen Angaben mehr als 600 mutmaßliche Randalierer fest.

Talinn. In der zweiten Krawallnacht in Folge sind in Estland fast 100 Menschen verletzt worden. Bei Ausschreitungen vornehmlich russischstämmiger Jugendlicher nahm die Polizei nach eigenen Angaben in der Nacht zum Samstag mehr als 600 mutmaßliche Randalierer fest.

Auslöser der Gewalttätigkeiten war die Demontage eines sowjetischen Kriegerdenkmals im Zentrum der estnischen Hauptstadt Tallin, die schon im Vorfeld für Streit zwischen Estland und Russland gesorgt hatte. Nach russischer Ansicht stand es für den Sieg über den Faschismus, für die Esten war es Symbol einer jahrzehntelangen Fremdherrschaft. Russischstämmige Esten machen rund 25 Prozent der etwa 1,35 Millionen Einwohner des baltischen Staates aus.

Nach Augenzeugenberichten zogen am späten Freitagabend rund 2000 Jugendliche durch Tallin und griffen Polizisten mit Flaschen und Steinen an, warfen Autos um und zertrümmerten Fensterscheiben. Die Ordnungskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein. Viele der Randalierer seien angetrunken und mit Schals und Atemmasken vermummt gewesen. Von den 600 Festgenommen seien mindestens 100 jünger als 18 Jahre gewesen. Außer in Tallin gab es auch in den Städten Johvi und Kohtla-Jarve im Osten des Landes Ausschreitungen.

Bei Gewalttätigkeiten in der Nacht zum Freitag war in Tallin auch ein 19-jähriger Jugendlicher getötet worden, nach Behördenangaben wurden 56 Menschen verletzt und mehr als 400 festgenommen.

Estland war 1940 wie die baltische Schwesterrepublik Lettland auf Grund des Hitler-Stalin-Paktes von der UdSSR annektiert worden. Auch Litauen wurde von Berlin der sowjetischen Einflusssphäre zugeschlagen. 1941 wurde Estland von der deutschen Wehrmacht besetzt, 1944 von der sowjetischen Armee zurückerobert. 1991 wurden die baltischen Staaten wieder unabhängig. Im Museum der Okkupation in Tallinn, das die Zeit von 1940 bis 1991 dokumentiert, heißt es heute, die sowjetische Besatzung sei schlimmer als die deutsche gewesen.