Fronten im Metall-Tarifkonflikt verhärtet

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Im Tarifkonflikt der Metallindustrie sind die Fronten weiter verhärtet. IG-Metall-Chef Jürgen Peters lehnte erneut den, von den Arbeitgebern angebotenen befristeten Konjunkturbonus ab.

München/Berlin. Im Tarifkonflikt der Metallindustrie sind die Fronten weiter verhärtet. Während Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser am Wochenende wegen der festgefahrenen Verhandlungen vor einer Schwächung der Tarifautonomie warnte, lehnte IG-Metall-Chef Jürgen Peters erneut den von den Arbeitgebern angebotenen befristeten Konjunkturbonus ab. Ab Sonntag wollte die Gewerkschaft mit Warnstreiks den Druck erhöhen. Die Verhandlungen gehen am Donnerstag im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg in die womöglich entscheidende Runde.

Ein Scheitern der Verhandlungen in der kommenden Woche würde "unserem System der Lohnfindung einen schweren Schlag versetzen", sagte Kannegiesser dem Magazin "Focus". Ein solches "Armutszeugnis für die Tarifparteien" dürfe es nicht geben. Kannegiesser fordert eine rasche Einigung in dem Konflikt: "Jetzt müssen wir uns auf einen einzigen Verhandlungsort konzentrieren und dort den Durchbruch schaffen." Der Gesamtmetall-Chef nannte die aktuelle Tarifrunde eine "Reifeprüfung" für das Lohnfindungssystem.

Peters wandte sich vehement gegen den von Gesamtmetall vorgeschlagenen Konjunkturbonus. Das komme überhaupt nicht Frage, sagte der Gewerkschaftschef. "Wie sollen wir denn unseren Leuten erklären, dass ein Teil ihres Lohns irgendwann wieder weg fällt?" Die Arbeitgeber hatten zuletzt 2,5 Prozent mehr Lohn sowie einen Konjunkturzuschlag von 0,5 Prozent geboten, der nach Ende der Laufzeit des Vertrages wieder entfallen würde. Die IG Metall verlangt 6,5 Prozent mehr Geld.

Die Gewerkschaft will bereits ab der Nacht zum Sonntag mit ersten Warnstreiks Druck auf die Arbeitgeber machen. Dann endet die Friedenspflicht in der Branche mit bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten. Der letzte Einigungversuch vor Ablauf der Friedenspflicht war am Freitag bei den Verhandlungen in Niedersachsen gescheitert. Der Verhandlungsführer der dortigen IG Metall, Hartmut Meine, sagte im NDR, nach den Warnstreiks werde die Gewerkschaft versuchen, einen Kompromiss zu finden. Er glaube, dass der Druck auf die Arbeitgeber dann so hoch sei, dass sie in einen "rationalen Verhandlungsprozess" einsteigen könnten.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, forderte unterdessen generell deutliche Lohnerhöhungen in der diesjährigen Tarifrunde. Die Zeit der Lohnzurückhaltung sei zu Ende, sagte Sommer im Deutschlandfunk. Er betonte zugleich, dass die Gewerkschaften immer eine "verantwortungsbewusste Lohnpolitik" betrieben und nie überzogen hätten. Zur Diskussion um einen Konjunkturbonus sagte er, es müsse darum gehen, "dauerhaft Lohnerhöhungen durchzusetzen und nicht nur einmal was vom Brosamen abzubekommen und beim nächsten Mal nicht mehr".

Die Deutschen rechnen einer Allensbach-Umfrage zufolge in diesem Jahr im Schnitt aller Branchen mit Lohnerhöhungen von 2,6 Prozent. Die Arbeitnehmer sehen einen geringfügig höheren Spielraum von 2,7 Prozent, wie die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf eine Umfrage für den Arbeitgeberverband Gesamtmetall unter 1802 Befragten berichtete.