Prozessauftakt: DNA-Analyse überführt Täter

Mord vor 27 Jahren - Angeklagter angeblich ohne Erinnerung

Mord verjährt nie. Im Frühjahr 1980 soll der 48-Jährige die alte Frau mit einer Strumpfhose getötet haben. Der Familienvater hat bereits eine steile Verbrecher-Karriere hinter sich: Im März 1990 hatte der Mann „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein als Geisel genommen.

Hamburg. Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Mord an einer Rentnerin hat vor dem Hamburger Landgericht am Montag der Prozess gegen einen 48 Jahre alten Familienvater begonnen. Laut Anklage soll er die 79-jährige Frau im Frühjahr 1980 mit einer Strumpfhose erdrosselt haben. Der Angeklagte will sich daran nicht erinnern können. "Er weiß, dass die Beweislage eindeutig ist", sagte sein Verteidiger. Die Auswertung einer DNA-Spur hatte die Polizei erst im vergangenen Jahr auf die Fährte des vielfach vorbestraften Mannes gebracht. Für Schlagzeilen hatte er im März 1990 mit einem Einbruch beim "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein gesorgt. Dabei nahmen er und ein Komplize Augstein und dessen Frau als Geiseln. Dafür saß er später fünf Jahre in Haft.

Die Rentnerin war Mitte April 1980 tot in ihrer verwüsteten Wohnung in einer Altenwohnanlage gefunden worden. Der Täter hatte zudem umgerechnet 250 Euro entwendet und sich einem Gutachten zufolge an der Leiche vergangen. Die Ermittler hatten am Tatort an einem Handtuch Spermaspuren entdeckt, deren genetischer Code bei einer Überarbeitung des Falls zu dem 48-Jährigen führte. Der Mann war 1999 nach neun Jahren Haft in die Freiheit entlassen worden und führte inzwischen ein solides Leben mit einer Lebensgefährtin und vier Kindern in einem Dorf nahe Lüneburg. Der Richter stellte klar, dass der Mann bei der Tat alkoholisiert und deswegen wahrscheinlich vermindert schuldfähig war.