Fußball: Messi und sein Jahrtausendtor

Die zweite Hand Gottes

Sie spielen nicht nur ähnlich; sie schießen auch ihre Tore auf dieselbe Art. Diego Armando Maradona schoss bei der WM in Mexiko vor knapp 21 Jahren ein Jahrtausendtor. Dem argentinischen Jungstar Lionel Messi gelang jetzt eine täuschend ähnliche Kopie des legendären Treffers.

Madrid. Wer bislang noch Zweifel hatte, scheint nun eines Besseren belehrt zu sein: Lionel Messi ist der "neue Maradona". Dem Fußballer des FC Barcelona gelang das unglaubliche Kunststück, jenen legendären Treffer, den der Ex-Weltstar vor knapp 21 Jahren bei der Weltmeisterschaft in Mexiko erzielt hatte, fast deckungsgleich zu kopieren.

Wie Diego Armando Maradona am 22. Juni 1986 im WM- Viertelfinalspiel Argentinien gegen England lief der 19-jährige Messi am Mittwoch bei Barças 5:2-Sieg im Halbfinal-Hinspiel des spanischen Pokals über den FC Getafe mit dem Ball über das halbe Spielfeld. Er ließ vier Abwehrspieler und den gegnerischen Torwart aussteigen und schoss zum 2:0 für die Katalanen ein.

Der argentinische Jungstar war wegen seiner Dribbelkünste schon häufig mit seinem berühmten Landsmann verglichen worden. Nach seinem Traumtor gegen Getafe lag ihm die Fußballwelt zu Füßen. "Mit diesem Treffer ging Messi in die Fußball-Geschichte ein", titelte das Fachblatt "Sport". Trainer Frank Rijkaard sprach von einem "Kunstwerk" und einem "fußballerischen Juwel". Ex-Coach Radomir Antic bezeichnete Messi als den "Mozart des Fußballs". In diesem Film sind die beiden Tore zu sehen.

Jorge Valdano, der 1986 selbst für Argentinien gespielt hatte, fand die Kopie sogar noch schöner als das Original: "Maradona musste während seines Dribblings Pausen einlegen, Messi dagegen wurde immer schneller." Die angesehene Zeitung "El País" meinte: "Messis Fußball fängt da an, wo der von Maradona aufgehört hatte." Nur Getafes Trainer Bernd Schuster fand an dem Traumtor keinen Gefallen: "Wir hätten Messi vor Erreichen des Strafraums stoppen müssen, notfalls mit einem Foul. Wir waren zu nobel."

Der Argentinier hatte den Ball in der 29. Minute in der eigenen Hälfte zugespielt bekommen. An der Mittellinie setzte er sich gegen zwei Gegner durch und lief mit dem Ball am Fuß davon. Beim Eindringen in den Strafraum ließ Messi noch zwei Abwehrspieler und mit einer Körpertäuschung auch Getafes Torwart ins Leere laufen. Aus spitzem Winkel schoss er den Ball über einen grätschenden Verteidiger hinweg ins Netz. Ich hatte von Anfang an das Tor im Visier gehabt", erinnerte sich Messi. "Ich habe gesehen, dass es in der Abwehr eine Lücke gab." Der Jungstar widmete den Treffer seinem Landsmann Maradona, der sich in einem Krankenhaus von den Folgen seines Alkoholmissbrauchs erholt. "Ich hoffe, dass Diego bald wieder gesund wird", sagte er.

Ansonsten wollte Messi aber von Maradona-Vergleichen nichts wissen. Die spanische Presse sah dies anders. Die Zeitung "El Periódico" benannte ihn um in "Diego Armando Messi". Und "El Mundo" titelte: "Und er ist doch der neue Maradona." Barça steht nach dem 5:2 mit einem Bein im Pokalfinale. Der Tabellenführer der Primera División kann damit weiter vom Double träumen. Messi (44.) schoss noch einen weiteren Treffer zum 3:0. Die übrigen Tore für Barça erzielten Xavi (17.), Eidur Gudjohnsen (66.) und Samuel Eto'o (74.). Getafe hatte zwischenzeitlich durch Treffer von Daniel Güiza (57.) und Nacho (59.) auf 2:3 verkürzt.