Mehr als 120 Tote bei Anschlagserie in Bagdad

Der schwerste Anschlag ereignete sich nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium auf einem Markt, wo 82 Menschen starben.

Genf/Bagdad. Bei einer Serie von Autobombenanschlägen in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Mittwoch mehr als 120 Menschen getötet worden. Der schwerste Anschlag ereignete sich nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium auf einem Markt, wo 82 Menschen starben. In Genf ging die Hilfskonferenz für die Irak-Flüchtlinge zu Ende. UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres bezeichnete die Zusage der irakischen Regierung, insbesondere Syrien und Jordanien mit 25 Millionen Dollar (18,5 Millionen Euro) zu unterstützen, als "großen Erfolg" und wichtigen Schritt nach vorne.

Der Anschlag auf den Markt ereignete sich im Viertel El Sadrija, wo sowohl Kurden als auch Schiiten leben. 94 Menschen wurden dort verletzt. Unter den Opfern waren auch Frauen und Kinder. Insgesamt wurden in Bagdad bis zum Nachmittag fünf Anschläge verübt. Im Schiitenviertel Sadr City starben mindestens 28 Menschen, als ein mit Sprengstoff beladenes Auto an einem Kontrollpunkt der Armee explodierte. 44 Menschen wurden dabei verletzt.

Nach Angaben von Guterres zeigten sich mehrere der mehr als 60 Teilnehmerländer in Genf bereit, die Flüchtlingshilfe zu unterstützen oder Flüchtligne aufzunehmen. Den Vereinten Nationen zufolge sind bis zu acht Millionen Iraker "dringend" auf ausländische Hilfen angewiesen. Vier Millionen Bürger des Landes - jeder achte Iraker - sind wegen der Gewalt auf der Flucht. Zwei Millionen davon sind Binnenvertriebene. Die meisten Flüchtlinge suchten in den Nachbarländern Zuflucht, vor allem in Syrien und Jordanien.

Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari hatte am Dienstagabend verkündet, mit den 25 Millionen Dollar sollten die medizinische Versorgung und Ausbildung von Irakern in ihren Aufnahmeländern unterstützt werden. Seine Regierung wolle sehr eng mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) zusammenarbeiten. Deutschland hatte bereits am Montag angekündigt, 2,2 Millionen Euro für irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene zur Verfügung zu stellen. Jeweils eine Million Euro sollen an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und das UNHCR gehen. Weiter hieß es, das Deutsche Rote Kreuz erhalte gut 200.000 Euro, um den irakischen Roten Halbmond unter anderem mit Erste-Hilfe-Paketen für die Versorgung von Schwerstverletzten auszustatten.

Frankreich will nach Diplomatenangaben etwa eine Million Euro beisteuern. Die USA gaben an, das UNHCR bereits mit 18 Millionen Dollar für Irak-Flüchtlinge unterstützt zu haben. Zudem wollen die USA bis zu 25.000 irakische Flüchtlinge in diesem Jahr aufnehmen. Eine Vorgabe aus dem Weißen Haus sehe vor, dass 2007 insgesamt 70000 Flüchtlinge aus aller Welt in den USA Zuflucht finden könnten, sagte die Abteilungsleiterin für Flüchtlingsfragen im US-Außenamt, Ellen Sauerbrey.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) hatte am Montag von der Europäischen Union ein abgestimmtes Konzept für irakische Flüchtlinge in der Region und in Europa gefordert. Ai forderte die EU-Staaten auf, auch selbst "großzügig" irakische Flüchtlinge aufzunehmen und keine Iraker abzuschieben.