RAF: Unterstützung für Ex-Terroristen

Buback-Sohn fordert Begnadigung Klars

Vor 30 Jahren hat die RAF Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen. Umso erstaunlicher ist es, dass sich gerade der Sohn des ermordeten Juristen für eine Begnadigung des Ex-Terroristen Christian Klar ausspricht.

Berlin. Bundespräsident Horst Köhler will offenbar am Mittwoch in kleinerem Kreis über das Gnadengesuch des früheren RAF-Terroristen Christian Klar beraten. Dabei werde sich der Sohn des vor 30 Jahren ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback für die Begnadigung Klars einsetzen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Mittwochausgabe. Der Sprecher des Präsidenten, Martin Kothe, wollte die Meldung nicht kommentieren. Man gebe grundsätzlich keine öffentlichen Erklärungen zu Gesprächen ab, die der Präsident nicht-öffentlich führe, sagte Kothe am Dienstagabend auf AP-Anfrage.

In einem Gastbeitrag für das Blatt schreibt der Chemie-Professor Michael Buback, er habe "Informationen aus dem Bereich der RAF" erhalten, die dafür sprächen, dass Klar nicht unmittelbar an dem Anschlag auf seinen Vater am 7. April 1977 beteiligt gewesen sei. "Die Nachricht lautet: Christian Klar sei keiner der beiden Täter auf dem Motorrad gewesen. Er habe auch nicht an der frühen Planung des Attentats teilgenommen, auch nicht an der Ausbildung für die Aktion. Christian Klar habe dagegen maßgeblich an der Ermordung von Jürgen Ponto mitgewirkt", heißt es in dem Beitrag.

Klars Anwalt Heinz-Jürgen Schneider äußerte sich im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" überrascht und sprach von einer "Stimme der Vernunft". Der Bundesanwaltschaft sind die neuen Hinweise zum Attentat auf Buback dem Bericht zufolge seit kurzem bekannt. Es werde geprüft, "ob und gegebenenfalls welche Konsequenzen sich daraus ergeben", wurde Behördensprecher Frank Wallenta zitiert. Klar, Brigitte Mohnhaupt und Knut Folkerts waren als Mittäter des Mordes an Siegfried Buback verurteilt worden. Im Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart von 1985 steht, Klar sei am Attentat als Lenker oder Sozius des Motorrads, von dem aus die Schüsse abgegeben wurden, oder als Fahrer des Fluchtfahrzeugs beteiligt gewesen.

Klar ist wegen mehrfachen Mordes zu sechs Mal lebenslänglich plus 15 Jahren Haft verurteilt. Seine Mindestverbüßungsdauer wurde vom Oberlandesgericht Stuttgart auf 26 Jahre festgelegt. Demnach könnte er frühestens Anfang 2009 auf Bewährung auf freien Fuß kommen. Köhler hatte zuletzt signalisiert, dass er sich mit seiner Entscheidung über das Gnadengesuch Klars Zeit lassen werde.