Gesetz: Anlässlich von Film-Präsentation

Justizsenator Lüdemann fordert Verschärfung des Sexualstrafrechts

Bislang verlangt Justitia bei der Bewährung von Sex-Straftätern nur ein Gutachten. Zu wenig sagt Hamburgs Justizsenator Carsten Lüdemann.

Hamburg. Hamburgs Justizsenator Carsten Lüdemann (CDU) hat sich für eine Verschärfung des Sexualstrafrechts stark gemacht. Bei der Präsentation des Films "Günstige Prognose" - er beschäftigt sich mit der Rolle der Gutachter in Missbrauchsfällen von Kindern - sagte Lüdemann am Montag in Hamburg, bislang werde nur ein Gutachten verlangt, wenn ein verurteilter Sexualstraftäter vorzeitig auf Bewährung entlassen werden soll. Dies müsse durch ein zweites Gutachten geändert werden, "weil die Folgen eines Fehlgutachtens viel fataler sind als in anderen Fällen". Zudem müsse die Sicherungsverwahrung verschärft werden, sagte Lüdemann. Er unterstütze die von Bayern bereits gestartete Bundesratsinitiative.

Nach Angaben des Bundeskriminalamts werden pro Jahr rund 20 000 Mädchen und Jungen im Alter von einem bis 14 Jahren sexuell misshandelt. Experten rechnen mit einer rund zehn Mal so hohen Dunkelziffer. Den Plänen Bayerns zufolge soll das Sexualstrafrecht deutlich verschärft werden. So soll etwa eine Aussetzung der Strafe im Falle einer Verurteilung zu mindestens vier Jahren Haft nur in außergewöhnlichen Fällen in Betracht kommen. Sollte ein Gericht dies dennoch in Erwägung ziehen, so soll es vor der Entscheidung Gutachten von zwei externen Sachverständigen einholen. Das soll auch bei einer Aussetzung der Sicherungsverwahrung oder einer Unterbringung im Maßregelvollzug nach einer entsprechenden schweren Straftat gelten.

"Es ist ein Unterschied, ob ich ein Gutachten mache zu einem Schaden bei einem Autounfall oder ob ich hier ein Gutachten mache zu einer Prognose zu einem künftigen Sozialverhalten", sagte Lüdemann, der die Schirmherrschaft für den Film übernommen hat. Die Gefahr, bei einem Gutachten einen Fehler zu machen, sei vorhanden. Der Regisseur des 30-minütigen Films, Peter Ladkani, betonte: "Wenn so eine schwerwiegende Entscheidung getroffen wird, dass solche Leute wieder auf die Straße dürfen, müssen mehrere Gutachter hinzugezogen werden."

"Ich will mit dem Film nicht die Gutachter verteufeln. Die Arbeit, die sie machen, ist sehr wichtig", sagte Ladkani. Allerdings würden sie oft auch getäuscht. Die Schauspielerin Floriane Daniel sagte, es sei wichtig gewesen zu zeigen, "dass Menschen sich irren können". Sie spielt in dem Film eine Psychologin, die einen pädophilen Straftäter durch ihr Gutachten vor dem Gefängnis bewahrt. Im Glauben, ihr Gutachten korrekt abgefasst zu haben, verschließt sie die Augen vor der drohenden Gefahr. Sie realisiert ihren Irrtum erst, als das Grauen in ihr eigenes Leben dringt.

Der Schauspieler Bernd Herzsprung sagte, das Thema sexueller Missbrauch von Kindern "muss immer wieder auf den Seziertisch". Der Film "Günstige Prognose" ist dem Verein Dunkelziffer, Hilfe für sexuell missbrauchte Kinder, und dem UN-Kinderhilfswerk Unicef gewidmet. Sämtliche Akteure - darunter auch Ralph Herforth, Francis Fulton Smith, Joost Siedhoff und Siemen Rühaak - haben ohne Gage gearbeitet. Nach der Premiere in Hamburg soll der in Kooperation mit dem ZDF entstandene Film in München gezeigt und anschließend bei allen internationalen A-Festivals eingereicht werden. Danach sei eine Ausstrahlung im ZDF geplant.