Kundgebung in Moskau - Polizei nimmt mindestens 200 Demonstranten in Haft

Bei einer von den Behörden untersagten Kundgebung von Regierungskritikern in Moskau hat die Polizei am Samstag mindestens 200 Demonstranten festgenommen, unter ihnen den Oppositionspolitiker und ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow.

Moskau. Bei einer von den Behörden untersagten Kundgebung von Regierungskritikern in Moskau hat die Polizei am Samstag mindestens 200 Demonstranten festgenommen, unter ihnen den Oppositionspolitiker und ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow. Wie Reporter berichten, wurde Kasparow gemeinsam mit einer Gruppe Demonstranten in einem Polizeifahrzeug weggebracht. Kasparow und seine Anhänger hätten sich trotz eines behördlichen Verbots für eine Kundgebung zum Puschkin-Platz begeben und die Polizisten auf "brutale Weise" provoziert, begründete ein Polizeisprecher laut der Nachrichtenagentur Interfax die Festnahme.

Um die Kundgebung der Bewegung Anderes Russland zu unterbinden, waren rund 9000 Polizisten und Spezialeinheiten des Innenministeriums bereits in den frühen Morgenstunden auf dem Puschkin-Platz aufmarschiert. Die Demonstranten drängten dennoch auf den Platz, manche beschimpften die Sicherheitskräfte als Faschisten, andere riefen Parolen wie "Wir brauchen ein anderes Russland". Unmittelbar nach Beginn der Kundgebung gegen Mittag begannen die Sicherheitskräfte mit den Festnahmen dutzender Oppositioneller. Die Behörden hatten lediglich eine Kundgebung außerhalb der Innenstadt gestattet. Nur wenige Meter vom Puschkin-Platz entfernt fand derweil eine Gegendemonstration von rund 200 Anhängern der dem Kreml nahe stehenden Jugendbewegung Junge Garde statt.

Die Spannungen zwischen Regierung und Opposition haben sich angesichts der im Herbst bevorstehenden Parlamentswahlen in den vergangenen Monaten verschärft. In St. Petersburg hatte es Anfang März bei nicht genehmigten Protesten von rund 5000 Regierungsgegnern zahlreiche Festnahmen gegeben. Weitere Proteste fanden Ende März in Nischni Nowgorod statt. Im März 2008 wird auch ein neuer Präsident gewählt. Präsident Wladimir Putin kann nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren.