Dutzende Tote bei Anschlägen in Kerbala und auf Brücke bei Bagdad

Bei zwei schweren Bombenanschlägen im Irak sind am Samstag nach weiteren Polizeiangaben mindestens 70 Menschen getötet worden.

Bagdad. Bei Bombenanschlägen in der, den Schiiten heiligen Stadt Kerbela und in Bagdad sind am Samstag wieder fast 70 Menschen zum Opfer gefallen. Allein in Kerbela starben bei der Explosion einer Autobombe an einer Busstation mindestens 56 Menschen, darunter auch Frauen und Kinder, wie das Al-Hussein-Krankenhaus in Kerbela berichtete. In Bagdad wurde am Samstag wieder eine Brücke Ziel eines Selbstmordanschlags. Dabei wurden nach Polizeiangaben mindestens zehn Menschen getötet.

Mehr als 70 Menschen seien bei dem Anschlag in Kerbela verletzt worden, meldete das Krankenhaus. Mindestens 15 Krankenwagen fuhren zum Ort des Anschlags, die Polizei feuerte in die Luft, um den Rettungsfahrzeugen einen Weg durch die aufgebrachten Menschen zu bahnen. Viele riefen verzweifelt nach Angehörigen. Auf Fernsehbildern war ein Kind zu sehen, das reglos auf einer Trage lag. Im Al-Hussein-Krankenhaus rief ein elfjähriger Junge, dessen Brandwunden von Ärzten behandelt werden, immer wieder nach seinem Vater: "Ich will zu meinem Vater! Wo ist mein Vater?2 Eine ältere Frau suchte auf den Fluren der Klinik nach ihrer Tochter und ihrem sechsjährigen Enkelkind. "Sie wollten etwas zu Essen kaufen. Was haben sie getan, um das zu verdienen. Es gibt keine Regierung, die uns beschützt."

Der Anschlag ereignete sich nur rund 200 Meter vom Immam-Hussein-Schrein entfernt, einem der größten Heiligtümer der Schiiten. Kerbela liegt rund 80 Kilometer südlich von Bagdad und war seit dem Einmarsch der US-Truppen vor vier Jahren wiederholt Schauplatz von Anschläge. So wurden im März 2004 bei einer Serie von Anschlägen mehr als 100 Menschen getötet. Auch in diesem Jahr waren wieder viele schiitische Pilger Ziel von Angriffen. Bereits auf dem Weg nach Kerbela wurden im vergangenen Monat hunderte Menschen getötet. Auch jetzt sollen auch wieder Pilger aus dem Iran und Pakistan unter den Opfern sein.

Bei dem Anschlag auf die Brücke in Bagdad wurden auch 15 Menschen verwundet. Wie stark die Dschadrijah-Brücke über den Tigris beschädigt wurde, war zunächst nicht klar. Es ist bereits der zweite Anschlag auf eine Brücke in Bagdad innerhalb einer Woche. Die Al-Sarafijah-Brücke im Norden von Bagdad stürzte am Donnerstag nach der Explosion eines mit Sprengstoff beladenen Lastwagens ein. Dabei starben elf Menschen.

In Bagdad wurde am Samstag auch das Haus von Adnan al Dulaimi angegriffen, dem Vorsitzenden des größten sunnitischen Blocks im Parlament. Fünf seiner Leibwächter, die sich ein halbstündiges Feuergefecht mit den Angreifern lieferten, wurden verwundet. Bei einem weiteren Angriff wurden drei Leibwächter des stellvertretenden Industrieministers Mohammed Abdul Dschabar verwundet. Der Minister blieb unverletzt. Die USA meldeten die Festnahme von 17 Aufständischen.

Wie eine Erhebung der Nachrichtenagentur AP ergab, ist seit Beginn der Sicherheitsoffensive in Bagdad die Zahl der Gewaltopfer dort zurückgegangen. Außerhalb der Hauptstadt stieg die Zahl hingegen an, offenbar weil die Aufständischen ihre Aktivitäten verlagert haben. In den zwei Monaten vor der Offensive gab es in Bagdad 2.871 zivile Opfer, vom 14. Februar bis 12. April waren es 1.586. Außerhalb der Hauptstadt stieg die Zahl der zivilen Opfer in den gleichen Zeiträumen aber von 1.009 auf 1.504.