Terrorserie in Bagdad

Tigris-Brücke gesprengt und Anschlag in Parlaments-Kantine

Bagdad. Die im Irak und in Afghanistan eingesetzten US-Soldaten müssen künftig 15 statt zwölf Monate dort bleiben. Verteidigungsminister Robert Gates begründete die "ab sofort" geltende Regelung damit, dass sonst die Aufstockung der Truppen im Irak nicht gewährleistet werden könne.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sprengte sich ein Selbstmordattentäter mit einem Sprengstoffgürtel in der Kantine in die Luft. Die Explosion ereignete sich zur Essenszeit um 15.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MESZ). Das Gebäude liegt in der so genannten grünen Zone, zu der auch die wichtigsten Ministerien und die US-Botschaft gehören. Das Viertel ist durch Betonsperren gesichert und kann erst nach strengen Kontrollen betreten werden.

Auf einer Brücke über den Tigris im Norden von Bagdad riss ein Selbstmordattentäter am frühen Morgen zehn Menschen mit in den Tod und verletzte weitere 26. Als sein Lastwagen explodierte, wurde ein Teil der Brücke zerstört. Etliche Menschen stürzten mit ihren Autos in den Fluss. Die El-Sarafija-Brücke verbindet das schiitische Viertel El Atafija am Westufer mit dem sunnitischen Viertel Wasirija am Ostufer. Die Brücke ist eine der höchsten und ältesten von Bagdad.

Durch die Regelung zur verlängerten Einsatzdauer der US-Soldaten könne der erhöhte Truppenbedarf im Irak bis mindestens April kommenden Jahres gesichert werden, sagte Verteidigungsminister Gates am Mittwoch (Ortszeit). Nach höchstens 15 Monaten sollten die Soldaten dann wieder auf ihre Heimatstützpunkte zurückkehren dürfen. Zwischen zwei Einsätzen sollten sie sich mindestens zwölf Monate erholen können. Laut Generalstabschef Peter Pace gilt die Regelung nur für die Landstreitkräfte.

Bushs neue Irak-Politik sieht vor, die dortigen US-Truppen um 30. 000 Soldaten zu verstärken. Derzeit sind dort etwa 145.000 Armeeangehörige stationiert, bis Juni soll ihre Zahl auf 160.000 steigen. Mit der Truppenaufstockung hofft Bush, die Gewalt vor allem in der irakischen Hauptstadt Bagdad eindämmen zu können.

Die Demokraten kritisierten die Maßnahme. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte, Gates' Ankündigung unterstreiche nur die Tatsache, dass nun die US-Soldaten und ihre Familien "die Bürde des Irak-Krieges" tragen müssten. Die Bush-Regierung habe es nicht geschafft, die Soldaten richtig auszustatten und auszubilden, sie sicher und rasch nach Hause zu bringen und sich so um die Veteranen zu kümmern, wie sie es verdient hätten.

Zur Beilegung des Konflikts um die Finanzierung der Kriege im Irak und in Afghanistan wollen Pelosi und der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, nach eigenen Angaben am kommenden Mittwoch mit Bush im Weißen Haus zusammenkommen. Bush hatte wiederholt erklärt, dass er keinen Wehretat unterzeichnen werde, der mit einem verbindlichen Zeitplan für einen Abzug der US-Truppen aus dem Irak verknüpft sei. Das Abgeordnetenhaus fordert eine Heimkehr der US-Soldaten bis zum 31. August 2008, der Senat bis Ende März kommenden Jahres. Die beiden von den Demokraten beherrschten Kammern müssen sich auf einen gemeinsamen Entwurf einigen, der anschließend Bush zur Unterschrift zugeht.