London: Regierung beugt sich scharfer Kritik

Keine weiteren Geisel-Interviews

Die zeitweise im Iran festgehaltenen Soldaten dürfen ihre Erlebnisse nicht mehr an die Medien vermarkten. Für weitere am Dienstag veröffentlichte Berichte kommt das Verbot allerdings zu spät.

London. Nachdem am Wochenende erste Exklusiv-Geschichten zweier Seeleute an die Medien verkauft worden waren und dies einen Proteststurm ausgelöst hatte, zog Verteidigungsminister Des Browne seine ursprünglich erteilte Erlaubnis dafür zurück. Den übrigen der insgesamt 15 Marine-Soldaten sei es nicht mehr erlaubt, ihre Geschichten zu veräußern, hieß es in einer Erklärung.

Politiker, Verteidigungsexperten und ehemalige Kommandeure hatten zuvor erklärt, der Verkauf der Geschichten bringe Schande über das Militär. Die Regierung nutze die Soldaten in einer Propaganda-Schlacht aus und verhalte sich damit kaum besser als der Iran.

Eigentlich dürfen britische Soldaten ihre Erlebnisse in den Medien ohnehin nicht zu Geld machen. Das Verteidigungsministerium hatte diese Regel aber ausnahmsweise aufgehoben und auf "besondere Umstände" und großes öffentliches Interesse verwiesen.

Derweil erschien das Massenblatt "The Sun" am Dienstag mit neuen Erlebnisberichten der einzigen Frau unter den Iran-Gefangenen. Die Matrosin Faye Turney, die für Interviews bis zu 150 000 Pfund (225 000 Euro) bekommen haben soll, schildert darin unter anderem ihre Begegnung mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei der Verabschiedung in Teheran. Sie habe ihn als "oberflächlich" empfunden.

Ahmadinedschad habe gefragt, wie es ihrer dreijährigen Tochter gehe und sie habe geantwortet: "Das weiß ich nicht, Herr Präsident, ich habe sie seit 13 Tagen nicht gesehen, wenn Sie sich erinnern." Er habe geantwortet: "Hat man Ihnen denn kein Telefongespräch mit ihr erlaubt?" Die 26-Jährige will geantwortet haben: "Nein, ganz sicher nicht." Dennoch wolle sie eine Puppe behalten, die sie unter anderem als Abschiedsgeschenk bekommen habe. Eines Tages werde sie die Puppe ihrer Tochter geben und ihr von der Gefangenschaft im Iran erzählen.

Die 15 Marineangehörigen waren am vergangenen Donnerstag nach 13-tägiger Haft aus dem Iran nach Großbritannien zurückgekehrt waren.