Kritik an Verkauf von Iran-Geschichte britischer Militärs

In Großbritannien gibt es scharfe Kritik an der Regierungsentscheidung, den 15 zeitweise im Iran inhaftierten Soldaten den Verkauf ihrer Geschichte an die Medien zu erlauben. Das Vorgehen bringe Schande über das Militär, sagten am Montag Politiker, Verteidigungsexperten und ehemalige Kommandeure.

Die Regierung nutze die Soldaten in einer Propaganda-Schlacht aus und verhalte sich damit kaum besser als der Iran. "Ich bin entsetzt, dass das Verteidigungsministerium die Soldaten unterstützt, aus einem militärischen Desaster noch Profit zu schlagen", sagte etwa der Ex-Kommandeur der britischen Friedenstruppen in Bosnien, Oberst Bob Stewart. Die Konservativen kündigten ein Nachspiel im Parlament an. Michael Heseltine, Ex-Verteidigungsminister, forderte eine Untersuchung.

Eigentlich dürfen britische Soldaten ihre Erlebnisse in den Medien nicht zu Geld machen. Das Verteidigungsministerium hatte diese Regel aber ausnahmsweise aufgehoben und auf "besondere Umstände" und großes öffentliches Interesse verwiesen.

Am Montag gab es prompt erste Exklusiv-Geschichten in den Medien. Darin erklärte die Soldatin Faye Turney, die Iraner hätten gesagt, eventuell sehe sie ihre dreijährige Tochter nicht mehr wieder. Auch habe sie Angst vor Vergewaltigung gehabt. "Eines Morgens hörte ich, wie nahe meiner Zelle Holz gesägt und Nägel eingeschlagen wurden", sagte sie der Boulevardzeitung "Sun". Eine Frau habe sie von oben bis unten vermessen. "Ich war überzeugt, sie fertigen meinen Sarg an." Die Iraner hätten sie gefragt, wie es sich anfühle, wenn man für sein Land sterbe. Turneys Gesicht gehört derzeit zu den bekanntesten auf der Insel, nachdem das iranische Fernsehen mehrfach Aufnahmen von ihr in Gefangenschaft veröffentlicht hatte. Einem Medienbericht zufolge erhielt die 25-Jährige für zwei Interviews etwa 150.000 Euro - das Vierfache ihres Jahresverdienstes.

Von großer Angst und Erniedrigung berichtete auch der 20-jährige Arthur Batchelor. Er habe in seiner Zelle geschrien wie ein Baby, nachdem ihm die Augen verbunden worden seien, sagte er dem "Daily Mirror". Man habe ihn gefesselt, seine Bewacher hätten ihn verspottet. "Es gab Zeiten, da fürchtete ich, vergewaltigt oder getötet zu werden."

In scharfem Kontrast zu den Erklärungen der Soldaten veröffentlichte das iranische Fernsehen am Sonntag neue Aufnahmen der Soldaten während der Gefangenschaft. Darin sind die Briten zu sehen, wie sie Tischtennis spielen und sich ein Fußball-Spiel im Fernsehen anschauen. Auf anderen Bildern waren die Soldaten lachend und scheinbar entspannt zu sehen.

Der frühere US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, warf der britischen Regierung vor, in dem Konflikt zu passiv, zögerlich und fast demütig gewesen zu sein. Der Iran habe einen politischen Sieg errungen und gehe gestärkt aus dem Streit hervor, schrieb Bolton in der "Financial Times". Damit sei eine Verhandlungslösung im Streit über Irans Atomprogramm in weite Ferne gerückt. Iran sei nun ermutigt, seine Atompläne voranzutreiben, radikale Gruppen wie Hamas und Hisbollah stärker zu unterstützen und noch mehr Terrorakte im Irak zu verüben.

Die Soldaten waren am 23. März vom Iran festgenommen worden, der ihnen vorwarf, in seine Hoheitsgewässer eingedrungen zu sein. Großbritannien hatte indes erklärt, sie seien in Gewässern des Irak gewesen. Der Iran hielt die Soldaten 13 Tage in Haft und veröffentlichte in der Zeit auch Videos, in denen sie die Vorwürfe einräumten. Am 4. April kamen sie überraschend frei. Die Soldaten erklärten hinterher, sie seien heftig unter Druck gesetzt worden und hätten deshalb falsche Geständnisse gemacht.