Marihuana vom Feld geerntet - ein Jahr Haft für 47-jährigen Mann

Das Amtsgericht hat einen 47-jährigen Mann zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, weil er unter anderem von einer illegalen Marihuana-Plantage mehr als dreieinhalb Kilo Pflanzen für den Eigengebrauch geerntet hatte.

Der wegen des Anbaus von Marihuana schon mehrfach Vorbestrafte gab den Besitz der Pflanzen zu. Er bestritt aber, die Plantage in einer Grünanlage in Norderstedt selber angelegt zu haben. "Die habe ich beim Pilze sammeln entdeckt", sagte er. Der Mann raucht nach eigenem Bekunden seit einem schweren Arbeitsunfall in den 80er Jahren Marihuana und nimmt Morphine, um chronische Schmerzen als Folge des Unfalls zu bekämpfen.

Der Richter sprach angesichts der Lebensgeschichte des Mannes von einem ganz untypischen Einzelfall und verhängte eine "sehr, sehr geringe Strafe". Allerdings sah er keine Chance, diese zur Bewährung auszusetzen. Der Angeklagte hatte zuletzt im August 2005 gemeinsam mit seiner jetzt 71 Jahre alten Mutter und seinem jüngeren Bruder wegen Anbaus und Handels mit Rauschgift vor Gericht gestanden. Damals war er zu der laut Gesetz maximal möglichen Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Diese Warnung habe sich der Angeklagte nicht zu Herzen genommen, meinte der Richter: "Sie haben es einfach in den letzten 14 Monaten versäumt, ihr Leben in den Griff zu kriegen."

Die Staatsanwältin forderte zwei Jahre Haft für den 47-Jährigen. Der Verteidiger wies das entschieden zurück. "Sie können nicht jemanden in den Knast schicken, der als Schmerzmittel Marihuana zu Hause hat", sagte er. Das Gericht verhängte elf Monate der einjährigen Freiheitsstrafe für den Besitz von Betäubungsmitteln und den Rest für den unerlaubten Besitz von Explosivstoffen. Der Angeklagte hatte fast 13 Kilogramm Feuerwerkskörper in der Wohnung gelagert, was ihm durch eine frühere gerichtliche Anordnung verboten war.