Erderwärmung: Ärmste Länder besonders betroffen

Uno-Experten verabschieden Klima-Bericht

Experten stellen führenden Industriestaaten und Russland (G8) ein schlechtes Zeugnis aus. Aus den USA, Russland und China gab es Widerstand gegen einige Passagen des Entwurfs. USA wollten Streichnung von Textstellen, in denen es darum geht, inwieweit der Mensch mit der Nutzung fossiler Brennstoffe für die Erderwärmung mitverantwortlich ist.

Brüssel. Die Vereinten Nationen (Uno)haben sich nach zähen Verhandlungen auf einen zweiten Klimabericht geeinigt. "Der Text ist verabschiedet", sagte der Chef der internationalen Uno-Forschergruppe, Rajendra Pachauri, in Brüssel über das Dokument, das die Auswirkungen des Klimawandels auf die unterschiedlichen Weltregionen untersucht. Demnach werden von den Folgen des Klimawandels vor allem die ärmsten Länder betroffen sein. Die Klimaerwärmung werde unter anderem zu zunehmendem Hunger in Afrika und dem Abschmelzen von Gletschern im Himalaya führen, heißt es in dem Bericht.

Die Delegierten aus mehr als 100 Ländern hatten bis zum Morgen an den Formulierungen gefeilt. Nach Angaben von Teilnehmern gab es vor allem aus China, Russland und den USA Widerstand gegen einige Passagen des Entwurfs. So hätten die USA darauf gedrungen, dass einige Textstellen gestrichen werden, in denen es darum geht, inwieweit der Mensch mit der Nutzung fossiler Brennstoffe für die Erderwärmung mitverantwortlich ist.

Strittig waren nach Angaben von Teilnehmern auch das Ausmaß der erwarteten Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten sowie die Frage, ob eine Schätzung zu den finanziellen Kosten der Klimakatastrophe in den Bericht aufgenommen werden soll. Einige Wissenschaftler widersetzten sich den Änderungen, die Regierungsvertreter an dem Entwurf des Berichts vornehmen wollten.

Der neue Uno-Klimabericht stellt den führenden Industriestaaten und Russland (G8) ein schlechtes Zeugnis aus. Politiker und Umweltschützer forderten deshalb, dass die G8-Staaten, bei ihrem Gipfel im Juni im Ostseebad Heiligendamm einen Kurswechsel beschließen. Sie produzieren etwa 85 Prozent der schädlichen Treibhausgase. Ungeachtet aller Versuche der USA, Russlands und Chinas, den Report zu verwässern, wird das Fazit der Studie nach Angaben des deutschen Umweltstaatssekretärs Michael Müller dennoch dramatische Folgen für Mensch und Natur durch die Erderwärmung aufzeigen.

Der Bericht ist die wichtigste Studie über die Auswirkungen des Klimawandels auf verschiedene Weltregionen seit 2001. In die Studie fließen die Erkenntnisse von 2500 Wissenschaftlern ein. Sie schließt an einen Uno-Bericht vom Februar an, der das Ausmaß der Erderwärmung im weltweiten Überblick darstellte.