Afghanistan: Tornados sind angekommen

"Wir wissen um die Gefahren"

Mit der Landung der sechs Tornados im nordafghanischen Masar-i-Scharif steht der umstrittene Einsatz der Bundeswehr unmittelbar bevor. Jetzt wächst in Deutschland die Angst vor islamistischen Racheakten.

Masar-i-Scharif. Als auch der sechste Tornado gelandet ist, atmet Hartmut Beilmann auf. Um 12.15 Uhr kann der Sprecher des Aufklärungsgeschwaders den Angehörigen der Piloten zuhause melden, dass alle Maschinen sicher auf dem deutschen Stützpunkt im nordafghanischen Masar-i-Scharif angekommen sind. Die erste Hürde des Einsatzes ist genommen. Vom 15. April an werden die Männer täglich Einsätze fliegen. Aufklärungsflüge, keine Kampfeinsätze. Das machen andere Nato-Staaten. Die Bundeswehr erfasst aber die Ziele dafür. Und das macht den Auftrag so brisant. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung befürchtet Racheakte islamistischer Terroristen in Deutschland, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage erneut zeigt. Und der Bundesnachrichtendienst erklärt seit Wochen, dass Terroristen durch die Auslandseinsätze der Bundeswehr auch Deutschland als "Kreuzritter" sähen und die Bundesrepublik immer stärker ins Visier nähmen.

Deutschland will mit den Aufklärungsflugzeugen aber helfen, dass die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) im umkämpften Süden des Landes gezielt gegen Taliban-Kämpfer vorgehen kann und Zivilisten bei Angriffen nicht zu Schaden kommen. Afghanistans Außenminister Rangin Dadfar Spanta, der lange in Deutschland gelebt hat, nennt das Friedenssicherung und dankt dem Bundestag für die Entsendung der Maschinen. Die Linksfraktion, die den Start der Tornados vergeblich per Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht verhindern wollte, spricht hingegen von einer Kriegsbeteiligung.

Der Isaf-Regionalkommandeur für Nordafghanistan, der Bundeswehr- Brigadegeneral Josef Blotz, sagte dem ARD-Hörfunk in Masar-i-Scharif, der Recce-Tornado sei ein Aufklärungsmittel. Recce steht für Reconnaissance (Aufklärung). "Er trägt keine Bomben, er trägt keine Raketen." Er sorge mit seinen Infrarot und speziellen Fotokameras für Aufklärung über Bereiche, "wo wir nicht so richtig reingucken können". Etwa Flächenaufklärung entlang der Grenze zu Pakistan. "Einfach mehr wissen, darauf kommt es an."

In den nächsten Tagen werden die Flugzeuge auf mögliche Schäden durch die Verlegung über Tausende von Kilometern an den Hindukusch überprüft. 200 Soldaten des Aufklärungsgeschwaders 51 "Immelmann" aus Jagel in Schleswig-Holstein stehen Masar-i-Scharif bereit, um einen reibungslosen Einsatz der sechs Jets sicherzustellen.

Die Triebwerkmechaniker sehen sich durch die natürlichen Bedingungen herausgefordert. "Unser größtes Problem sind die Turbinen", sagte ein Stabsfeldwebel schon vor dem Abflug der Tornados nach Afghanistan. Dort gebe es sehr feinen Quartzsand, der bei Starts und Landungen ins Triebwerk geraten könne. Er schmilzt bei 1400 Grad und könnte sich auf den Kühlluft-Bohrungen ablagern. In der Turbine wird es bis zu 2000 Grad heiß. Im Afghanistan-Einsatz wird der Wartungstakt noch verdichtet. Statt 200 Flugstunden setzen Mechaniker dort nur noch 70 bis 100 Stunden bis zur aufwendigen Triebwerkskontrolle an.

Beilman sagt, die Soldaten freuen sich, "dass die Arbeit nun endlich losgeht". Mit 92 Euro am Tag bekommen die Truppen im Afghanistan-Einsatz die höchstmögliche Gefahrenzulage. "Furcht" und "Angst" vor dem Einsatz sind keine Begriffe, die die Soldaten in den Mund nähmen. Aber "man hat Respekt", wie es ein Hauptmann formuliert. Beilman sagt: "Wir wissen um die Gefahren und Bedrohungen in diesem Operationsgebiet und darauf sind wir eingestellt."