Fußball: Test-Länderspiel

Niederlage beim Debütantenball

Deutschland unterliegt Dänemark mit sechs Neulingen 0:1. Erste Niederlage unter Bundestrainer Löw.

Duisburg. Joachim Löw hat mit den "Schattenmännern" der WM-Stars seine erste Niederlage als Bundestrainer erlitten. Mit sechs Neulingen unterlag die zweite Garnitur der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Freundschaftsspiel gegen Dänemark am Mittwochabend mit 0:1 (0:0). Vor 31 000 Zuschauern in der ausverkauften Duisburger MSV-Arena erzielte Nicklas Bendtner neun Minuten vor dem Ende den entscheidenden Treffer für den im Gegensatz zum WM-Dritten in Bestbesetzung angetretenen Europameister von 1992. Zuvor hatte Torwart Robert Enke mit zahlreichen Paraden bei seinem Debüt überzeugt. Die von einigen Zuschauern überraschend mit Pfiffen quittierte erste Niederlage im neunten Spiel unter Löw konnte der Hannoveraner aber nicht verhindern.

"Die Serie spielt keine Rolle. Wir wollten den jungen Spielern eine Chance geben. Wir haben viele Erkenntnisse gewonnen und die Spieler näher kennen gelernt. Läuferisch und kämpferisch hat die Mannschaft alles gegeben. Aber die Dänen waren eingespielter. Dieses Spiel ist wichtig für die weitere Entwicklung", sagte Löw.

Sechs Neulinge hatte vor Löw noch kein Bundestrainer in einem Länderspiel aufgeboten. Der Bundestrainer überflügelte mit insgesamt nun 13 Debütanten nach 9 Partien seinen einstigen Chef Jürgen Klinsmann, der in zwei Jahren nur 12 Spieler zum Start in die DFB-Karriere verholfen hatte. Die Klinsmann-Rekordmarke von neun Spielen ohne Niederlage verfehlte Löw hingegen.

Enke, Simon Rolfes und Roberto Hilbert standen in der Startformation, anschließend kamen noch Stefan Kießling, Gonzalo Castro und Patrick Helmes zum ersten Einsatz. Die Dänen, die das deutsche Wechselspiel vor dem Anpfiff noch kritisiert hatten, beteiligten sich nach der Pause an dem Experimentier-Festival.

Enke - im Tor für Stammkraft Jens Lehmann - konnte schon nach 66 Sekunden seine Länderspieltauglichkeit beweisen. Ein Kopfball von Daniel Agger lenkte der Hannoveraner artistisch um den Pfosten. Bei der folgenden Ecke musste Piotr Trochowski bei einem Schuss von Bendtner auf der Linie für den schon geschlagenen Enke einen frühen Gegentreffer verhindern. Deutlich war der erstmals unter Kapitän Kevin Kuranyi aufgelaufenen, neu formierten Elf anzumerken, dass sie erst Ordnung finden musste und das von Löw geforderte so erfolgreiche taktische Konzept der 2:1-Sieger von Prag noch nicht verinnerlicht sein konnte.

Besonders auf der rechten Seite taten sich Lücken auf, da Hilbert nicht ins Spiel fand und der mit fünf Länderspielen schon erfahrene Clemens Fritz unter seinen Möglichkeiten blieb.

Besonders die erfahrenen Spieler wie Manuel Friedrich, Thomas Hitzlsperger und Kevin Kuranyi, der durch die Kapitänsbinde mit noch breiterer Brust agierte, sorgten für Ruhe im Spiel. Löw dirigierte derweil energisch von der Linie, um die Schattenelf an sein Offensiv-Konzept zu erinnern. Gerade der wie schon gegen Tschechien emsig wie ein Eichhörnchen agierende Marcell Jansen und der vor ihm auf der Schweinsteiger-Position zumindest in dieser Phase starken Trochowski sorgten für positive Aktionen.

Nach gut einer halben Stunde boten sich dann auch Chancen zur Führung. Hitzlsperger (32.) und Jan Schlaudraff (34.) scheiterten an Dänen-Schlussmann Thomas Sörensen. Dankbar nahmen die Zuschauer die Offensivaktionen auf. Zu Jubelstürmen wie im WM-Sommer gab der Auftritt der Ergänzungsspieler aber keinen Anlass. Dass es zur Halbzeit noch 0:0 stand, verdankte die Löw-Auswahl ihrem Torwart.

Im zweiten Abschnitt begann das deutsche Team zunächst mutiger. Wie vereinbart ging Kuranyi nach 45 Minuten vom Platz. Der für ihn eingewechselte Kießling harmonierte gut mit Schlaudraff. Dem Spielfluss taten die vielen Auswechslungen aber nicht gut. Schnell verfielen beide Mannschaften in einen behäbigen Trott. Die Zuschauer skandierten "Wir wollen Euch kämpfen sehen."

Zunächst war Tatkraft in der Defensive gefordert. Jansen (68.) rettet kurz vor der Torlinie, Enke (69.) parierte erneut hervorragend gegen Bendtner. Es gab gute Möglichkeiten für Schlaudraff (77.) und Helmes (79.) - doch dann kam die kalte Dusche durch den Treffer von Bendtner. Immerhin bäumte sich das DFB-Team auf. Dem bei seinem Elfminuten-Einsatz erfrischend aufspielenden Helmes und Kießling wären kurz vor Schluss beinahe noch der Ausgleich gelungen.