Hamburg: Auszeichnung für Ballet-Chef

John Neumeier soll Ehrenbürger werden

Der US-Choreograf machte das 1973 gegründete Hamburg Ballett zu einer der renommiertesten Tanzcompagnien der Welt. Seine bekanntesten Arbeiten sind die "Matthäus-Passion" nach Johann Sebastian Bach, Mozarts "Requiem" und zuletzt "Parzival - Episoden und Echo". Die Bürgerschaft muss der Verleihung der Ehrenbürgerwürde noch zustimmen.

Hamburg. Ballett-Intendant John Neumeier (65) wird neuer Ehrenbürger der Freien und Hansestadt Hamburg. "John Neumeier hat mit seiner künstlerischen Arbeit und Leistung zum internationalen Ansehen Hamburgs beigetragen. Die Ehrenbürgerwürde ist ein Zeichen der Wertschätzung seiner Kunst und seiner Person", sagte Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) in der Hansestadt. Der gebürtige Amerikaner zähle zu den bedeutendsten Ballett-Choreografen weltweit. Nicht nur in Hamburg, sondern auch auf internationalen Gastspielreisen und Tourneen feiere er große Erfolge. Ehrenbürger Hamburgs sind unter anderem Altkanzler Helmut Schmidt, der Schriftsteller Siegfried Lenz und Fußballidol Uwe Seeler.

"Das ist eine sehr große Überraschung für mich. Ich fühle mich sehr geehrt", sagte Neumeier nach der Bekanntgabe. "Dadurch, dass ich die Stadt sehr liebe, bin ich sehr froh." Er wisse noch nicht, was die Auszeichnung für ihn bedeute, "das wird sich langsam entwickeln". Er habe Hamburg immer als einen Ort empfunden, wo man in Ruhe arbeiten kann, "um diese Arbeit dann mit in die Welt zu nehmen". Mit Hinblick auf seine weltweit einzigartige Sammlung zur Geschichte des Tanzes meinte Neumeier: "Ich wünsche mir für die Zukunft dieser Stadt, dass es einen neuen Ort für die Stiftung gibt."

Seit 1973 leitet Neumeier die Geschicke des Hamburg Balletts, das zu den führenden Compagnien der Welt gehört. Überragende Erfolge feierte Neumeier mit der Bearbeitung von Klassikern wie "Giselle" oder "Illusionen - wie Schwanensee". Dramen der Weltliteratur regten den Amerikaner zu eigenen Kreationen an, darunter Handlungsballette wie "Ein Sommernachtstraum" oder "Tod in Venedig". Seine etwa 130 Choreografien wurden auf großen Bühnen der ganzen Welt gezeigt. Neumeier ist regelmäßig Gastchoreograf an der Pariser Oper, am Royal Ballet London und an der Königlichen Oper in Kopenhagen. 1978 gründete er die Ballettschule, die 1989 in das Ballettzentrum zog.

Aufgewachsen ist der Kapitänssohn mit einer polnischen Mutter und einem deutschen Großvater in Milwaukee. Ein erstes Engagement führte ihn 1960 zu Sybil Shearer nach New York. 1963 kam er zu John Cranko an das Stuttgarter Staatstheater, 1969 ging er als jüngster Ballettdirektor Deutschlands nach Frankfurt, um 1973 nach Hamburg zu kommen. Seitdem hält er der Hansestadt - trotz zahlreicher verlockender Angebote - die Treue. Vor zwei Jahren wurde sein Vertrag bis 2011 verlängert, mit einer Option auf weitere fünf Jahre.

Neumeier nehme eine singuläre Stellung in der Theatergeschichte Hamburgs ein, heißt es in der Vorlage des Hamburger Senats. Im Sommer soll die Hamburger Bürgerschaft über die Ehrenbürgerwürde beraten. Alle Fraktionen haben bereits ihre Zustimmung signalisiert. Neumeier ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und hat zahlreiche Ehrungen in aller Welt erhalten, darunter das Ritterkreuz des Dannebrog-Ordens in Gold sowie die Ritterwürde der Ehrenlegion der Republik Frankreich.