Hamburg: Polizei vermutet Verbrechen

Leichenteile in Alsterfleet entdeckt

Diesen Dienstagmorgen in Neustadt am Neuen Wall wird ein Passant nicht so schnell vergessen. Denn der unglückliche Entdecker muss sich vorgekommen sein, wie in einem schlechten Film: Aus dem Schlick ragte eine skelettierte Hand.

Hamburg. Grausiger Zufallsfund im Schlick: Ein Passant hat am Dienstagmorgen in Neustadt, am Neuen Wall, Leichenteile in einem trockengelegten Alsterfleet entdeckt. Nach ersten Untersuchungen im Institut für Rechtsmedizin habe sich der Verdacht eines Gewaltverbrechens ergeben, teilte die Polizei mit. Die Mordkommission übernahm die Ermittlungen. Bei dem Opfer handelt es sich vermutlich um einen jungen Mann. Die zum Teil skelettierten Körperteile waren am Morgen entdeckt worden, nachdem das Wasser aus dem Fleet für Arbeiten abgelassen worden war.

"Ein Passant hat wie in einem schlechten Film eine skelettierte Hand aus dem Schlick ragen sehen", berichtete Polizeisprecher Ralf Meyer am Fundort, der Graskellerbrücke in Sichtweite des Rathausmarktes. Die Fundstücke wiesen "Spuren von Gewalteinwirkung auf". Kopf und Torso fehlen. Der Passant rief die Polizei, die mit einem Großaufgebot einschließlich Mordermittler und Feuerwehr anrückte. Am Mittag waren bis zu 100 Beamte im Einsatz, hunderte interessierter Passanten blieben an den Geländern des Fleets stehen, um einen Blick in den etwa fünf Meter tiefe Graben zu werfen, dessen Grund im Wechselspiel von Sonnenschein und Häuserschatten glitzerte.

Wo sonst das trübe Alsterwasser mindestens zwei Meter hoch steht und träge in Richtung Elbe fließt, ragten dreckige Steine und jede Menge Unrat aus dem verbliebenen Wasser. Ein Taucher, noch mit Pressluftflasche auf dem Rücken, saß auf einen umgestoßenen alten Einkaufswagen, den ein Unbekannter irgendwann in den Fleet gestoßen hatte. Ein Mann im leuchtend-orangen Gummianzug schob ein Schlauchboot mit der Aufschrift "Feuerwehr Hamburg" durch das flache Wasser, hier und da stocherten Bereitschaftspolizisten in grünen Wathosen nach Spuren am Ufer. Auf der Suche nach weiteren Teilen des getöteten Mannes zogen sie undefinierbare Stoffteile aus dem Matsch, fanden Fahrradteile und heruntergefallene Bügelschlösser.

Bis zum Nachmittag wussten die Ermittler, dass der Fundort nicht der Tatort war und dass die Leichenteile vermutlich schon seit Monaten im Wasser gelegen haben müssen. Der Fund war nur möglich, weil die Hamburger Hafenverwaltung Port Authority den Fleet auf mehreren hundert Metern Länge zwischen Alsterschleuse und Mündung in die Elbe trocken gelegt hatte. Hinweise auf die Identität des Opfers gab es noch nicht. "Die Ermittler gehen jetzt alle Vermisstenfälle durch", sagte Meyer.