Tarifkonflikt:

Metall-Arbeitgeber machen Angebot

Die Metall- und Elektrobetriebe in Deutschland haben den Beschäftigten eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um drei Prozent vorgeschlagen. Aufgrund der guten Wirtschaftslage könnten sie um 2,5 Prozent steigen und zusätzlich um einen Konjunkturbonus von weiteren 0,5 Prozent angehoben werden. Die Gewerkschaft IG Metall lehnte die Offerte ab und beharrt auf ihrer Forderung nach 6,5 Prozent.

Sindelfingen/Berlin. Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie haben die Arbeitgeber in Baden-Württemberg das bundesweit erste Angebot vorgelegt. Es hat ein Gesamtvolumen von 3,0 Prozent. Der Lösungsvorschlag in dem Tarifstreit sieht eine lineare Erhöhung der Einkommen von 2,5 Prozent und einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent für die Laufzeit des Tarifvertrags vor. Der Abschluss soll über zwölf Monate Bestand haben. Die IG Metall lehnte das Angebot bei der zweiten Verhandlungsrunde in Sindelfingen (Kreis Böblingen) als "völlig unzureichend" ab und fordert weiter 6,5 Prozent mehr Geld.

IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann bezeichnete die Offerte als "pure Augenwischerei". "Das Angebot passt in die Welt von gestern, aber nicht zur wirtschaftlichen Entwicklung von 2007", kritisierte der Gewerkschafter. Die Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie verdienten glänzend und die Konjunkturaussichten seien sehr gut. Die 800 000-Metallbeschäftigten in Baden-Württemberg hätten ein Recht darauf, an dieser positiven Entwicklung teilzuhaben. Den Konjunkturbonus von 0,5 Prozent, der am Ende der Laufzeit des Tarifvertrages entfällt, bezeichnete Hofmann als "Entgelterhöhung mit Verfallsdatum".

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser appellierte in Berlin an die IG Metall, jetzt schnell zu einer Einigung zu kommen. "Wir wollen uns nicht wieder monatelang durch den Saal treiben lassen", sagte er mit Blick auf die langen Verhandlungen vor einem Jahr. Beide Seiten sollten sich die üblichen Rituale diesmal ersparen. Für eine lange Tarifrunde hätten auch die Belegschaften kein Verständnis.

Kannegiesser sagte, das Angebot der Arbeitgeber bedeute eine Erhöhung der Realeinkommen, beteilige die Mitarbeiter dauerhaft an der Entwicklung der Produktivität und lasse sie von der guten Lage der Branche profitieren. Der vorgeschlagene Konjunkturbonus von 0,5 Prozent solle für alle Betriebe gelten. Es solle also keine Abweichung nach oben oder unten möglich sein wie bei der 2006 vereinbarten Einmalzahlung.

Um den Unternehmen je nach Wirtschaftslage des Betriebes Unterschiede bei der Bezahlung zu ermöglichen, schlagen die Arbeitgeber ein variables Weihnachtsgeld vor. Dieses wolle man dauerhaft und systematisch in den Tarifvertrag einbauen, sagte Kannegiesser. Jahressonderzahlungen wie das Weihnachtsgeld variabel zu gestalten, lehnten die Gewerkschafter dagegen klar ab.

Die Arbeitgeber hätten ein in dieser Höhe außergewöhnlich attraktives Angebot geschnürt, sagte Südwestmetall-Chef Stefan Roell nach dem zweieinhalbstündigen Treffen. Mit diesem Lösungsvorschlag seien sie an die Grenze der Belastbarkeit gerade für mittelständische Unternehmen gegangen. Sollten sich die Tarifparteien auf das Gesamtpaket einigen, könnten bundesweit 50 000 neue Jobs in der Metall- und Elektroindustrie geschaffen werden.

Die dritte Verhandlungsrunde im Südwesten wurde für den 16. April angesetzt. Roell und Hofmann betonten nachdrücklich, weiter an einer schnellen Lösung in dem Metalltarifkonflikt interessiert zu sein. Bereits an diesem Mittwoch wird die Große Tarifkommission der IG Metall in Baden-Württemberg über das Arbeitgeberangebot beraten. Am 31. März laufen die Tarifverträge für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten in der Branche aus. Die Friedenspflicht endet am 28. April. Danach sind Warnstreiks möglich.

Für die ostdeutsche Textilindustrie bestehen bei der dritten und vorerst letzten Tarifverhandlungsrunde Chancen für einen erfolgreichen Abschluss. "Die Arbeitgeber haben ein verhandelbares Angebot unterbreitet. Damit wurde die bisherige Offerte aufgestockt, aber es reicht noch nicht aus", sagte die Sprecherin der IG Metall, Ingrid Gier, am Dienstag in Chemnitz. Exakte Zahlen könne sie nicht nennen. Die Gewerkschaft will für die rund 17 000 Beschäftigten der Branche fünf Prozent mehr Einkommen und Ausbildungsvergütung erreichen. Das jüngste Angebot der Arbeitgeber lag bei 1 bis 1,2 Prozent.

"Die Verhandlungen können noch bis in die Nacht dauern", sagte Gier. Für beide Seiten sei es von großem Interesse, zu einem Ergebnis zu kommen. Der bisher gültige Tarifvertrag und auch die Friedenspflicht enden jeweils am 31. März.

Laut IG Metall ist die Produktivität der ostdeutschen Textilindustrie in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Ihr Anteil am deutschen Textilmarkt sei seit 1995 von 6,5 Prozent auf mehr als 11 Prozent gestiegen. Die Lohnstückkosten lagen im Osten verglichen mit dem Westen 2005 etwa 12 Prozent niedriger. Schwerpunkt des Industriezweigs in Ostdeutschland ist Sachsen mit 170 Betrieben.