Tischtennis: Boll und Co. besiegen Endspiel-Fluch

Riesenjubel über EM-Gold

Deutschlands Tischtennis-Herren sind erstmals Europameister. Im 26. Finale seit 1958 siegte das Team mit Timo Boll, Dimitri Owtscharow und Christian Süß in Belgrad mit 3:0 gegen Kroatien. Zuvor hatte die Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) fünf Mal ein Endspiel verloren.

Belgrad. Timo Boll und seine Mitstreiter sind am Ziel ihrer Träume angekommen. Nach einer langen Durststrecke von 49 Jahren und fünf vergeblichen Anläufen bestiegen die Herren des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) erstmals Europas Thron. Der souveräne 3:0- Sieg gegen Kroatien im Finale der Europameisterschaft in Belgrad krönte ein makelloses Turnier. Der historische Triumph löste bei den Aktiven grenzenlosen Jubel aus und wirkte für die Offiziellen wie die Befreiung von einem Fluch. Das EM-Gold für das Herren-Team fehlte dem DTTB als einzige Auszeichnung.

Nach dem letzten Punkt durch Christian Süß (Düsseldorf) gab es kein Halten mehr auf der Bank. Trainer Richard Prause, Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig und das komplette Team mit Timo Boll, Jörg Roßkopf (beide Gönnern), Dimitri Owtscharow (Tündern) und Bastian Steger (Frickenhausen) stürzten in die Box und begruben den Matchwinner unter sich. Der 21-jährige Süß ("Die Statistik interessiert mich nicht") beendete ein Finale, in dem die DTTB- Vertretung ihrer Favoritenrolle gegen den Endspiel-Neuling Kroatien voll gerecht wurde und ein Jahr nach Platz drei bei der Mannschafts-WM in Bremen das große Leistungsvermögen bestätigte.

Der Weltranglisten-Vierte Boll glänzte gegen den Kroaten Zoran Primorac im Auftaktspiel nicht, legte aber mit einem glatten 3:0-Sieg den erwarteten Grundstein zum Erfolg. Youngster "Dima" Owtscharow zeigte erneut eine Klassepartie. Der 18 Jahre alte EM-Neuling biss sich gegen den vermeintlich stärksten Kroaten Tan Ruiwu vom Bundesligisten Würzburg förmlich durch und gewann den packenden Fight mit 3:2.

Der Erfolg des jungen Niedersachsen bedeutete die Vorentscheidung. Sein künftiger Düsseldorfer Clubkollege Süß machte an Position drei mit einem 3:2 gegen Roko Tosic den Sack zu. Der Rotschopf bereitete damit auch DTTB-Präsident Thomas Weikert und Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb eine Riesenfreude. Beide verfolgten auf der Tribüne unter den knapp 3000 Zuschauer ein Finale, das nicht immer hochklassig war, aber einen verdienten Sieger hatte.