Sibirien: Explosion in Kohlebergwerk

Zahl der Toten auf über 100 gestiegen

Vier Menschen werden noch vermisst. Die Methangas- explosion ist das schwerste Grubenunglück Russlands seit zehn Jahren.

Nowokusnezk/Russland. Die jüngste Methangasexplosion in einem sibirischen Kohlebergwerk hat sich zum schwersten Grubenunglück Russlands seit zehn Jahren ausgeweitet. Bis Dienstagnachmittag (Ortszeit) wurden 106 Leichen geborgen, wie die Notfallbehörden in der Region Kemerowo mitteilten. Die Suche nach den letzten vier Vermissten wurde mit verstärkter Intensität fortgesetzt. 93 Menschen konnten lebend geborgen werden.

Zum Zeitpunkt der Methangasexplosion in 270 Metern Tiefe waren am Montag rund 200 Arbeiter in der Kohlegrube von Nowokusnezk, rund 3000 Kilometer östlich von Moskau. "Leider sind die Bedingungen im Bergwerk sehr schwierig", sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzministeriums, Sergej Salow, im russischen Fernsehen. Die Rettungskräfte müssten viel Geröll überwinden, das die Explosion in die Schächte geschleudert habe. Unter den Toten befindet sich den Behörden zufolge auch ein britischer Sicherheitsexperte, der zum Zeitpunkt des Unglücks ein in der Mine installiertes Alarmsystem aus Großbritannien überprüfte. Sein Dolmetscher kam ebenfalls ums Leben.

Der russische Präsident Wladimir Putin entsandte seinen Minister für Notlagen, Sergej Schoigu, an den Unglücksort. Auch die zuständige Aufsichtsbehörde Rostechnadsor schickte Ermittler. In dem 2002 eröffneten Bergwerk werden pro Jahr rund drei Millionen Tonne Kohle gefördert. Betrieben wird es vom Marktführer Juschkusbassugol, dem insgesamt neun Kohlegruben gehören. Die Sicherheitsvorkehrungen in russischen Bergwerken gelten als mangelhaft, Schlagwetterexplosionen kommen häufig vor. 2004 kamen dabei außerhalb von Nowokusnezk 47 Kumpel ums Leben. Das schwerste Unglück vor dem jetzigen ereignete sich 1997, als eine Minenexplosion 67 Bergleute in den Tod riss. Im vergangenen Jahr kamen in ganz Russland mindestens 30 Menschen bei Grubenunglücken ums Leben, 25 von ihnen bei einem Brand in einer sibirischen Goldmine.