Hamburger Kunstszene: "Das schwarze Quadrat"

Umstrittener Kubus errichtet

Endlich ist er Realität: Nach heftigen kulturpolitischen Querelen in Venedig und Berlin ist Gregor Schneiders schwarzer Kubus in Hamburg angekommen.

Hamburg. Endlich ist er Realität: Nach heftigen kulturpolitischen Querelen in Venedig und Berlin ist Gregor Schneiders schwarzer Kubus, der an die Kaaba in Mekka erinnert, in Hamburg angekommen. Auf dem Plateau zwischen dem historischen Gründungsbau der Kunsthalle und der Galerie der Gegenwart hat der 37- Jährige aus Mönchengladbach-Rheydt seinen 14 Meter hohen, 13 Meter tiefen und breiten schwarzen Würfel errichtet. Das umstrittene Kunstwerk ist Teil der Ausstellung "Das schwarze Quadrat - Hommage an Malewitsch" zum 50-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Hamburg- St. Petersburg. Die offizielle Eröffnung der Kunsthalle ist am Donnerstag.

Die Kunstbiennale in Venedig (2005) und der Hamburger Bahnhof in Berlin (2006) hatten das Projekt "aus politischen Bedenken" abgelehnt. Das Verbot und die hitzigen Diskussionen, die darauf folgten, kann der Künstler, der sich in seinen Arbeiten vor allem mit Räumen auseinander setzt, bis heute nicht verstehen. Seine Skulptur beziehe sich auf die Kaaba und sei durch sie inspiriert, stehe aber auch in Zusammenhang mit seinen bisherigen Arbeiten und der modernen westlichen Kunst. "Das Wunderbare ist doch, dass es sich um eine universelle Form handelt, die frei ist für alle Interpretationen", sagte Schneider in einem dpa-Gespräch.

Der neue Direktor der Hamburger Kunsthalle, Hubertus Gaßner, war von dem Projekt von Anfang an begeistert: "Der Würfel ist eine Hommage an das Schwarze Quadrat und kann so den Dialog der Kulturen fördern", verkündete er. Für ihn kann der Würfel sogar zu einem "Mahnmal der Toleranz" werden. Um eventuellen Protesten gleich im Vorfeld zu begegnen, wurde die Ausstellung gemeinsam mit Vertretern der Stadt und der muslimischen Gemeinden vorbereitet. Und die hatten nichts gegen den Kubus einzuwenden. "Es ist nicht verboten, die Kaaba darzustellen. Es gibt Darstellungen in Hülle und Fülle", hatte bereits 2005 der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Nadeem Elyas, betont.

"In Venedig und Berlin wurde der Kubus verboten, ohne dass die Verantwortlichen mit einem einzigen Moslem gesprochen haben", sagte Schneider. In der weltoffenen Hansestadt sei die Kritik bisher ausgeblieben. Im Gegenteil: Immer wieder betonen die Vertreter der Muslime, wie Anfang Februar bei einer Podiumsdiskussion mit dem Künstler in der Kunsthalle, dass sie nichts gegen das Kunstwerk einzuwenden hätten. Ahmet Yazici, Vertreter des Bündnisses islamischer Gemeinden Norddeutschlands, sprach sogar davon, dass sich die Muslime "nicht nur gebauchpinselt, sondern wirklich verstanden" fühlen könnten. "Ich habe noch nie von Muslimen eine Aussage gehört, dass sie den Kubus schlecht finden."

Vielleicht würden sogar viele Muslime die Ausstellung besuchen, quasi als Vorbereitung auf eine Pilger-Fahrt nach Mekka. Tausende von Hamburgern fahren zudem jeden Tag mit dem Auto auf der viel befahrenen Hauptstraße an dem schwarzen Kubus vorbei. Trotzdem bleibt auch in der Hansestadt die Angst vor unvorhersehbaren Ereignissen. "Eine Skulptur im öffentlichen Raum ist grundsätzlich verletzlich", gibt auch Schneider zu. Deshalb hat er vor Beginn der Ausstellung nochmals die umliegenden Moscheen im Stadtteil St. Georg besucht. "Hier in Hamburg kommt der Kubus in 2007 an. Hier haben wir Assoziationen bis zur Döner-Bude um die Ecke."