Flugzeugbranche: China will Passagierjets bauen

Neue Konkurrenz für Airbus

China will das Projekt sobald wie möglich starten. Die Flugzeuge sollen bis zu 150 Personen aufnehmen können. Schlechte Nachrichten für Airbus auch aus Malaysia: Malaysian Airline System wird voraussichtlich sechs A380 abbestellen.

Peking/Kuala Lumpur/ Frankfurt/Main. China will den Flugzeugbauern Boeing und Airbus Konkurrenz machen und in die Konstruktion von großen Passagiermaschinen einsteigen. Die Entscheidung sei bei einer Kabinettssitzung unter Vorsitz von Ministerpräsident Wen Jiabao getroffen worden, hieß es in einer am Montag auf der Website des Staatsrats veröffentlichten Erklärung. Nach Angaben der staatlichen Zeitung "China Daily" sollen die in China entwickelten und gebauten Flugzeuge bis zu 150 Passagiere aufnehmen können. Das Projekt solle "so bald wie möglich" anlaufen.

Bei der Sitzung wurde laut Staatsrats-Erklärung ein Plan zur Gründung eines Flugzeugbau-Unternehmens verabschiedet. Die seit 50 Jahren bestehende Luftfahrt-Industrie Chinas verfüge über die entsprechenden technischen und materiellen Möglichkeiten, hieß es weiter. Die Kabinettsitzung fand den Angaben zufolge bereits am 26. Februar statt. Es wurde nicht mitgeteilt, warum die Entscheidung erst jetzt öffentlich gemacht wurde.

Schlechte Nachrichten auch aus Malaysia: Die Fluggesellschaft Malaysian Airline System (MAS) wird einer Zeitung zufolge wegen Lieferverzögerungen voraussichtlich sechs Airbus-Maschinen vom Typ A380 abbestellen. Das Unternehmen betonte am Montag jedoch laut Nachrichtenagentur Bernama, es habe bisher noch keine Entscheidung getroffen. Die Abbestellung der Flugzeuge sei eine der möglichen Optionen. Es werde derzeit noch verhandelt.

MAS würde den ersten A380 Ende 2009 geliefert bekommen, schrieb die Zeitung "Business Times". Die jüngsten Entwicklungen bei Airbus, dessen Mitarbeiter europaweit mit Streiks gegen Sparpläne protestierten, könnten die Liefertermine aber noch weiter verzögern, hieß es in dem Bericht. "Diese Flugzeuge sind wirklich teuer. Es gibt keinen Grund, das Geld der Steuerzahler zu verschwenden, wenn sie nicht mehr in die Pläne von MAS passen", zitierte die Zeitung eine nicht näher bezeichnete Quelle.

Indessen ist der A380 am Montag von Frankfurt aus zu seinem ersten Langstreckenflug mit Passagieren gestartet. Die Maschine wird am Nachmittag deutscher Zeit in New York erwartet. Unter den knapp 500 Fluggästen sind geladene Gäste sowie Mitarbeiter von Lufthansa und Airbus. Mit den Probeflügen wollen Airbus und Lufthansa das neue Flugzeug unter Praxisbedingungen testen. Ein zweiter Airbus A380 startete am Montag von Toulouse aus nach Los Angeles an der Westküste der USA.