Polizei sucht weiter nach der Mutter

Neugeborenes aus Hochhaus geworfen

Ein neugeborenes Baby ist in Osdorf in der Straße Achtern Born lebend aus einem Fenster eines 20-stöckigen Hochhauses geworfen worden und beim Aufprall gestorben.

Nach Erkenntnissen der Rechtsmediziner hatte das Mädchen nach der Geburt gelebt. Wie die Polizei am Sonntag in Hamburg weiter mitteilte, hat die Überprüfung von mehr als 100 Wohnungen des Hochhausviertels bislang keine Hinweise auf die Mutter gebracht. Die Polizei gab sich aber zuversichtlich und ist sich sicher, den Fall aufklären zu können.

Ein Mann, der mit seinem Hund unterwegs war, hatte die Leiche am Samstag gegen Mittag entdeckt und die Polizei alarmiert. Das Mädchen lag in einer Plastiktüte auf einer Grünfläche, umgeben von Hochhäusern mit mehr als 20 Etagen. "Wir vermuten eine Verzweiflungstat" sagte eine Sprecherin der Hamburger Polizei. Die Mutter sollte sich schnellstmöglich in ärztliche Behandlung begeben.

Die Kriminalpolizei werde in den nächsten Tagen den genauen Tatverlauf rekonstruieren, um Hinweise auf das Tatmotiv und das Profil der Frau zu bekommen, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. In der kommenden Woche werde ein DNA-Muster der Frau erwartet.

"Wir sind zuversichtlich, dass wir auf Grund der guten Spurenlage die Mutter finden werden", sagte der Hamburger Polizeisprecher Ralf Meyer. So seien zahlreiche Speichelproben genommen worden, um die DNA der möglichen Mütter abgleichen zu können. Für die weiteren Ermittlungen sei es notwendig, die Anwohner nochmals aufzusuchen und zu befragen. "Die Ermittler vertrauen dabei weiterhin auf die Kooperationsbereitschaft der Bewohner", heißt es in der Mitteilung. Die Hochhaussiedlungen im Hamburger Stadtteil Osdorf gelten als soziale Brennpunkte.

Ein ähnlicher Fall hatte sich im September 1998 in Köln ereignet. Ein 17 Jahre alte Türkin hatte damals nach einer nächtlichen "Sturzgeburt" ihren gerade geborenen Sohn aus dem Fenster eines Hochhauses geworfen. Nach drei Wochen gelang es der Polizei, die Mutter zu ermitteln. Das Landgericht Köln verurteilte sie zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung. Das Gericht ging davon aus, dass sich die 17-Jährige in einer für sie unlösbaren Konfliktsituation zwischen überlieferten religiösen Werten ihrer Eltern und der Realität befunden habe.