Saisonfinale der Biathleten in Sibirien: Greis gewinnt Weltcup

Michael Greis gewinnt den Gesamtweltcup, Magdalena Neuner ihr viertes Rennen in Serie: die deutschen Biathleten sind auch beim Saisonfinale in Chanty Mansijsk einsame Spitze.

Chanty Mansijsk. Michael Greis gewinnt den Gesamtweltcup, Magdalena Neuner ihr viertes Rennen in Serie: die deutschen Biathleten sind auch beim Saisonfinale in Chanty Mansijsk einsame Spitze. Im Jagdrennen reichte Dreifach-Olympiasieger Greis ein mäßiger 16. Platz für den mit insgesamt 50.000 Euro belohnten ersten deutschen Gesamtsieg seit acht Jahren. Bei den Damen nahm die nur von Neuner besiegte Schwedin Anna Carin Olofsson der punktgleichen Titelverteidigerin Kati Wilhelm das Gelbe Trikot ab.

"Jetzt bin ich am Ziel meiner Wünsche. Aber ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder ärgern soll", meinte Michael Greis im sibirischen Schneefall überraschend griesgrämig. Der Weltmeister ärgerte sich über insgesamt sechs Strafrunden, durch die er sich ein besseres Ergebnis verbaute. "Ich bin so gut drauf, habe so gutes Material und dann versaue ich alles am Schießstand. Es war ein mieses Rennen", grantelte Greis. "Jetzt will ich im Massenstart auf das Podest, und dann kann ich mich auch freuen."

Im letzten Saisonrennen am Sonntag (12.45 Uhr/MEZ) braucht der 30 Jahre alte Nesselwanger nicht mehr auf seinen Dauerrivalen Ole Einar Björndalen zu schauen. Der Titelverteidiger aus Norwegen belegte zwar beim Gastgeber-Sieg von Maxim Tschudow vor Björn Ferry (Schweden) in der 12,5-km-Jagd Rang neun, liegt aber mit 696 Punkten nunmehr chancenlos hinter Greis (759). Der Oberhofer Sven Fischer, der 1999 als letzter deutscher Skijäger die Große Kristallkugel erobert hatte, wurde Tages-Elfter, Sprintsieger Michael Rösch (Altenberg) immerhin Siebter.

"Es läuft einfach super. Das muss ich ausnutzen", sagte Magdalena Neuner nach ihrem vierten Sieglauf in Serie. Die erst 20 Jahre alte Wallgauerin war als Sprint-Beste bereits mit einem Minuten-Vorsprung ins 10-km-Jagdrennen gestartet und spulte ihr Programm am Schießstand routiniert ab. Insgesamt akzeptable vier Strafrunden nach Schießfehlern brachten "Gold Lena" ebenso wenig aus der Siegspur, wie die Unfairness des Publikums. "Die haben bei jedem Fehler geklatscht. Das macht man nicht. Aber das muss man überhören, da stehe ich drüber", sagte Neuner.

Weltcup-Titelverteidigerin Kati Wilhelm musste nach verpatztem ersten Schießen (4 Strafrunden) und Tagesplatz 20 ausgerechnet vor dem letzten Saisonrennen das seit zwei Monaten in ihrem Besitz befindliche Gelbe Trikot der Gesamt-Führenden ausziehen und an Massenstart-Olympiasiegerin Anna Carin Olofsson weiterreichen.

Das Rennen um die "Große Kugel" wird nun im abschließenden Massenstart (Sonntag, 10.30 Uhr/MEZ, live in der ARD und bei Eurosport) zu einem Dreikampf mit Hochspannungs-Garantie. Olofsson und Wilhelm haben beide 860 Punkte auf dem Konto (Olofsson läuft in Gelb, weil sie zwei, Wilhelm nur einen Saisonsieg auf dem Konto hat), die in der Jagd drittplatzierte Andrea Henkel ist mit 854 Punkten knapp dahinter Dritte.

Aufgrund des Reglements, wonach die schlechtesten drei Resultate am Ende der Saison gestrichen werden, verlieren aber Wilhelm und Olofsson jeweils noch elf Punkte. Henkel, die wegen Krankheit ohnehin vier Rennen fehlte, braucht deshalb nur noch einen zweiten Platz, um zum ersten Mal den Titel der Gesamtsiegerin zu erkämpfen.