Landgericht Hildesheim: Neue Zeugenaussagen

Tote Nadine Nachbarn haben Mädchen nie gesehen

Die Frau fand das alles zwar merkwürdig, hat aber keine weiteren Nachforschungen angestellt. Die Leiche des Kindes bleibt weiterhin verschollen.

Hildesheim. Im Prozess um den Tod der kleinen Nadine aus Gifhorn (Niedersachsen) haben Nachbarn am Donnerstag ausgesagt, dass sie das Mädchen nach der Geburt selten und als Kleinkind nie mehr gesehen haben. Eine Zeugin erklärte im Landgericht Hildesheim, sie habe das alles sehr merkwürdig gefunden, aber keine weiteren Nachforschungen angestellt. Nadines Eltern müssen sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung verantworten. Sie haben jede Verantwortung am Tod ihrer Tochter bestritten.

Die Nachbarin hatte von Nadines Geburt im Oktober 2000 gewusst und das Kind später einige Male gesehen. "Mit Nadine ist aber niemand spazieren gegangen, nur manchmal wurde das Mädchen auf der Terrasse gefüttert", berichtete sie. Als sie das Kind längere Zeit nicht gesehen hatte, habe sie die 30 Jahre alte Mutter gefragt, wo Nadine sei. "Die ist bei der Oma im Harz", habe ihr die Angeklagte geantwortet. Als sie dann noch den älteren Bruder nach Nadine gefragt habe, hätte der Junge nur mit den Schultern gezuckt und gesagt "ich weiß nicht".

Auch einen Streit zwischen dem 32 Jahre alten Angeklagten und seinem Vater will die Zeugin gehört haben. Der Großvater habe geschrien, er wolle "die Kleine sehen". Danach hätten sich die beiden Männer auf der Terrasse geprügelt. Dieser Vorfall hatte sich im Sommer 2001 ereignet, als Nadine rund zehn Monate alt war. Ein direkter Wohnungsnachbar der Angeklagten erklärte, er habe Nadine niemals gesehen und von der Existenz des Mädchens gar nichts gewusst.

Die Eltern hatten von ihren Verteidigern erklären lassen, Nadine sei im Januar 2003 als knapp Zweieinhalbjährige nach einem Sturz aus dem Hochbett gestorben. Aus Angst vor dem Jugendamt hätten sie den Tod verschwiegen und das Mädchen im Harz nahe eines Parkplatzes verscharrt. Die Leiche wurde bisher nicht gefunden. Im Oktober 2003 hatte die Mutter heimlich zu Hause ein Mädchen geboren, das sie ebenfalls Nadine nannte.