Hamburger Landgericht: Prozessauftakt

Freundin erdrosselt sie wollte seine Familie kennenlern

Der gebürtige Thüringer kann sich die Tat angeblich nicht erklären: „Er hat sie geliebt“, sagt sein Verteidiger. Das Opfer, eine 28-jährige Speditionskauffrau, lebte erst seit kurzem in der Hansestadt.

Hamburg. Ein 30 Jahre alter Mann muss sich seit Donnerstag vor dem Hamburger Landgericht verantworten, weil er laut Anklage Anfang November seine Lebensgefährtin bei einem Streit erdrosselt hat. Zum Prozessauftakt räumte der Angeklagte den Totschlag ein. "Er kann sich die Tat selber nicht erklären, er hat sie geliebt", sagte der Verteidiger für seinen Mandanten. Der junge Mann war nach der Tat mit dem Auto der Freundin geflüchtet.

Weil der 30-Jährige im Fernsehen einen Fahndungsaufruf mit Fotos aus der Überwachungskamera einer Tankstelle gesehen hatte, stellte er sich dann wenige Tage später in einem Grenzort nach Tschechien der Polizei. Der Mann, der aus Nordhausen (Thüringen) stammt, hatte seine Arbeit als Vermessungstechniker verloren und wohnte bei seiner zwei Jahre jüngeren Freundin in Hamburg. Die Speditionskauffrau war erst wenige Monate vor ihrem Tod aus beruflichen Gründen in die Hansestadt gezogen.

Nach Angaben des Verteidigers kam es zu dem tödlichen Streit, weil die junge Frau darauf bestand, der Familie ihres Freundes vorgestellt zu werden. Der 30-Jährige habe das aber verhindern wollen, weil er seiner Partnerin zahlreiche Lügen über sein Leben erzählt habe. So habe er etwa behauptet, Arzt zu sein. "Sie hat ihm ein Ultimatum gestellt", sagte der Anwalt zum Grund der Auseinandersetzung. "Dann kam es zu einem Handgemenge." Der Angeklagte lernte die junge Frau, die bereits eine gescheiterte Ehe hinter sich hatte, nach eigenem Bekunden in einem Internet-Chatroom kennen. Zeugen schilderten den Mann als ruhig, nett und freundlich. Für den Prozess ist noch ein weiterer Verhandlungstag Ende März terminiert.