Airbus-Krise: Vor euopaweitem Protesttag

Französische Gewerkschaft macht Stimmung gegen Hamburg

In einem Flugblatt bezeichnet die französische Gewerkschaft CFE-CGC das Sanierungsprogramm „Power8“ als „Prämie für die Inkompetenz“ der deutschen Airbus-Werke. Für Betriebsratsvorsitzenden Horst Niehus sind die Vorwürfe nichts als „Populismus“.

Paris/Hamburg. Vor dem Protesttag der Airbus-Beschäftigten gegen Stellenabbau und Produktionsausgliederung an diesem Freitag ist offenbar neuer Streit zwischen den deutschen und französischen Gewerkschaften aufgebrochen. Anlass ist ein Flugblatt, in dem die französische Gewerkschaft CFE-CGC das Sanierungsprogramm "Power8" als "Prämie für die Inkompetenz" der deutschen Airbus-Werke bezeichnet. "Wer ist verantwortlich für die Verzögerungen beim A380? Dieselben, die eine dritte Fertigungslinie für den A320 erhalten", heißt es darin. Der Hamburger Betriebsratsvorsitzende Horst Niehus habe der CFE-CGC daraufhin "Populismus" und "Nationalismus" vorgeworfen, berichtet die Pariser Zeitung "Liberation" (Donnerstag).

Am Mittwoch hatte Airbus-Chef Louis Gallois dem europäischen Konzernbetriebsrat "Power8" erläutert. Dabei kam es Gewerkschaftern zufolge weder zu den Werksausgliederungen noch zur Fertigung des A320-Nachfolgers eine Annäherung. "Liberation" zufolge spielte sich die "zweite Runde" des Gesprächs nur zwischen den deutschen und französischen Gewerkschaften ab. Niehus habe die CFE-CGC aufgerufen, sich aus dem Betriebsrat zurückzuziehen, weil sie der Konzernführung nahe stehe. Die französische Gewerkschaft CFDT warnte "vor nationalistischen Spannungen" und erklärte, in beiden Ländern seien die Arbeitnehmer enttäuscht.

IG-Metall-Sprecher Daniel Friedrich wollte sich am Donnerstag zu diesen Berichten nicht äußern. "Wir lassen uns da nicht aus der Ruhe bringen", sagte er. Aus seiner Sicht sei die Zusammenarbeit unter den insgesamt zehn Gewerkschaften in den Airbus-Ländern Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien gut. "Der Gegner ist das Management", sagte der Sprecher des IG Metall Bezirks Küste.

Im Februar hatten bereits die Gewerkschaft FO und die IG Metall einen Streit um nationale Egoismen im direkten Gespräch beigelegt. Anders als ursprünglich geplant verzichten die Gewerkschaften beim Aktionstag am Freitag auf eine zentrale Kundgebung in Brüssel und organisieren nationale Proteste. In Frankreich soll die Arbeit bei Airbus ab 9 Uhr ruhen und es ist eine Kundgebung am Airbus-Sitz Toulouse geplant. Die IG Metall mobilisiert unter anderem für eine Demonstration in Hamburg. Hier werden mehr als 10 000 Mitarbeiter aus den deutschen Airbus-Standorten erwartet. Bei der Veranstaltung soll unter anderem der IG-Metallvorsitzende Jürgen Peters sprechen.

Arbeitsniederlegungen treffen Airbus hart, denn der Hersteller kann wie sein Konkurrent Boeing die gewaltige Nachfrage nach Flugzeugen kaum befriedigen. Airbus will deswegen die Fertigung der alternden Langstrecken-Familie A330/A340 bis Anfang 2008 von sieben auf acht Maschinen und bis Mitte 2009 auf neun Flugzeuge pro Monat hochfahren. Die A330 und A340 sollen vom A350 XWB abgelöst werden. Der Nachfolger steht jedoch erst 2013 bereit. Weil das vor der Einführung stehende Konkurrenzmodell Boeing 787 ebenfalls bis dahin ausverkauft ist, greifen die Fluggesellschaften auch noch auf die Vorgängermodelle zurück. Ende Juli 2007 will Airbus aber die Fertigung des ersten zweistrahligen Großraumflugzeugs der Welt, des A300, einstellen.