Ermittlungen im großen Radsportskandal in Spanien eingestellt

Die spanische Justiz hat die Ermittlungen im bislang größten Dopingskandal der Radsportgeschichte nach knapp zehn Monaten eingestellt. Der zuständige Untersuchungsrichter Antonio Serrano legte den Fall nach Presseberichten vom Samstag zu den Akten.

Madrid. Die spanische Justiz hat die Ermittlungen im bislang größten Dopingskandal der Radsportgeschichte nach knapp zehn Monaten eingestellt. Der zuständige Untersuchungsrichter Antonio Serrano legte den Fall nach Presseberichten vom Samstag zu den Akten, weil Doping in Spanien noch nicht strafbar war, als die "Operación Puerto" (Operation Bergpass) im Mai 2006 aufgedeckt wurde. Infolge des Skandals um den mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes waren Indizien gegen 54 Radprofis aufgetaucht, unter ihnen der Deutsche Jan Ullrich. Er und acht weitere Fahrer waren daraufhin von der Tour de France ausgeschlossen worden. Vor knapp zwei Wochen hatte der gebürtige Rostocker schließlich seinen Rücktritt erklärt.

Die Staatsanwaltschaft kündigte Einspruch gegen die Einstellung des Verfahrens ein, die einem Freispruch für Fuentes und die sieben weiteren Beschuldigten gleichkommt. Unter ihnen waren auch der Blutspezialist Jose Luis Merino Batres oder Manolo Saiz, Chef des früheren Liberty-Radteams. Sie könnten nun ihrerseits auf Schadenersatz oder wegen Rufschädigung klagen. "Wir freuen uns über die Entscheidung, aber diese kommt zu spät, denn inzwischen haben mehrere Teams und Fahrer unumkehrbare Schäden erlitten", hieß es aus dem Umfeld von Saiz. "Die Operación Puerto ist zwar abgeschlossen, sie hinterlässt aber viele Leichen", meinte die Zeitung "El Mundo".

Die Entscheidung über etwaige Sanktionen für die verdächtigten Fahrer - darunter Ullrich - überließ Richter Serrano den jeweiligen Radsportverbänden. Diese können allerdings nur einen Teil der Erkenntnisse aus den Ermittlungen nutzen. Abgehörte Telefonate etwa dürfen sie nicht heranziehen. Der Untersuchungsrichter betonte, dass es Doping im Radsport gebe. Dieser sei zu einem Geschäft verkommen, bei dem es vor allem um Profit gehe. Die Ermittlungen in diesem Fall seien "mindestens wegen mangelndem Fair Play" eingeleitet worden.

Weil Doping in Spanien aber erst mit Inkrafttreten eines neuen Anti-Doping-Gesetzes im Februar dieses Jahres zum Straftatbestand wurde, hätten Fuentes und die anderen Beschuldigten nur wegen "Gefährdung der öffentlichen Gesundheit" belangt werden können, ergänzte er. Dafür gebe es aber keine Beweise, denn nach den vorliegenden Erkenntnissen habe keiner der verdächtigten Profis gesundheitliche Schäden erlitten. Rückwirkend könne das Gesetz nicht angewandt werden. Dass bei den Beschuldigten Blutbeutel und Medikamente entdeckt wurden, sei auch kein Beweis für den Handel mit Drogen oder anderen verbotenen Substanzen. Zwar sei in acht dieser Blutbeutel EPO nachgewiesen worden. Die gefundenen Mengen reichten aber nicht aus, um sie als gesundheitsgefährdend einzustufen.

Serrano hatte im Dezember bereits mit der Anhörung der 54 verdächtigten Fahrer begonnen. Diese waren als Zeugen vorgeladen worden. Diese Vernehmungen sind nun hinfällig. Der Dopingskandal war am 23. Mai 2006 aufgeflogen. Damals wurden Fuentes und die anderen Beschuldigten vorübergehend festgenommen. Ihnen wurde vorgeworfen, die Radprofis zur Leistungssteigerung im großen Stil mit präparierten Blutkonserven und anderen Dopingmitteln versorgt zu haben.