Airbus: Setzt sich Frankreich durch?

Bundesregierung offen für Abschaffung der EADS-Doppelspitze

Noch wird der Airbus-Mutterkonzern vom Franzosen Louis Gallois und dem Deutschen Thomas Enders geführt, die sich den Vorstandsvorsitz teilen.

Berlin. Die Bundesregierung hat sich offen für eine Abschaffung der Doppelspitze beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gezeigt. Er halte es für denkbar, dass die Struktur mit zwei Vorstandschefs durch eine gleichberechtigte Postenverteilung für deutsche und französische Manager auf den unteren Führungsebenen ersetzt werden könne, sagte der Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze (CDU), am Donnerstag im Bundestag.

Bei einer möglichen EADS-Kapitalerhöhung könnten die Altaktionäre nach Ansicht der Bundesregierung von einem Bezugsrecht für die neuen Aktien ausgeschlossen werden. So könne die deutsch-französische Machtbalance erhalten werden, sagte Hintze. EADS braucht nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren eine Finanzspritze von mindestens fünf Milliarden Euro. Die Tochter Airbus will für zehn Milliarden Euro das Langstreckenflugzeug A350 entwickeln.

Grundsätzlich halte die Regierung eine Kapitalerhöhung aber für einen gangbaren Weg, sagte Hintze. Die Forderung des französischen Wirtschaftsministers Thierry Breton, das Kräfteverhältnis von 50:50 müsse zu Gunsten Frankreichs auf 60:40 verändert werden, wies er zurück. Der französische Staat, der anders als Deutschland direkt an EADS beteiligt ist, hatte mehrfach seine Bereitschaft signalisiert, bei einer Kapitalerhöhung seinen Anteil aufstocken zu wollen. Die EADS-Großaktionäre DaimlerChrysler und Lagardère wollen dagegen nicht mitziehen. Frankreich kann seine Anteile gegen den Widerstand der übrigen Eigner nicht erhöhen. Dies schreibt der EADS-Aktionärspakt vor.

Vertreter aller Parteien hielten der EADS-Konzernführung strategische Fehler und eine schlechte Informationspolitik vor. "Keiner dieser Fehler ist von den Arbeitnehmern, sondern vom Management gemacht worden", sagte der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) kritisierte, dass der EADS-Vorstand bis heute die "innere Logik" des Sanierungsprogramms "Power8" nicht habe verdeutlichen können. Die Airbus-Mitarbeiter seien trotz voller Auftragsbücher verunsichert. Das Management dürfe sich keine weiteren groben Fehler leisten, sonst liege US-Konkurrent Boeing in fünf Jahren uneinholbar vorn.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer (CDU), sagte, EADS habe seit 1999 Staatsaufträge von 13,5 Milliarden Euro bekommen. Der Konzern dürfe kein französisches Unternehmen werden. Die Grünen und die Linkspartei warfen EADS vor, sich auf Kosten der Beschäftigten zu sanieren. Der Linkspartei-Politiker Herbert Schui warnte die Regierung davor, sich auf den deutschen Großaktionär DaimlerChrysler zu verlassen: "Wollen Sie so einem Konzern, der bei Fokker, Mitsubishi und Chrysler Milliarden in den Sand gesetzt hat, die deutsche Industriepolitik anvertrauen?"