Kriminalbeamte fordern bundesweite Sexualstraftäter-Datei

Die Datei soll ausführliche Angaben über alle verurteilten und entlassenen Sexualtäter enthalten und zudem bundesweit abfragbar sein. Eine Studie belegt bei Sexualstraftaten ein Rückfallrisiko von 80 Prozent.

Rheinbach. Zur Verhinderung von Sexualstraftaten hat der Bund Deutscher Kriminalbeamter (bdk) die Einrichtung einer bundesweiten Sexualstraftäter-Datei gefordert. Eine solche "Gefährder-Datei-Sexualstraftaten" (GDS), wie sie ähnlich schon regional in Bayern betrieben werde, solle ausführliche Angaben über alle verurteilten und entlassenen Sexualtäter enthalten, sagte der BDK-Bundesvorsitzende Klaus Jansen am Mittwoch in Rheinbach bei Bonn. Die Datei müsse bundesweit abfragbar sein. Eine Zentralstelle zur Führung der GDS solle beim Bundeskriminalamt und den Landeskriminalämtern eingerichtet werden.

Es gelte, eine informelle Vernetzung der beteiligen Stellen wie Gericht, Staatsanwaltschaft, Bewährungshilfe und Polizei zur Verhinderung einer Rückfallstraftat eines Sexualtäters zu nutzen, sagte Jansen. Jugend-, Familien- und Sozialhilfe sollten über die örtlichen Dienststellen der Kriminalpolizei Abfragen aus der GDS in Auftrag geben können.

Indessen warnt Sexualwissenschaftlers Klaus Michael Beier vor einem hohen Rückfallrisiko für Sexualstraftäter. Bei einer groß angelegten Studie habe er festgestellt, dass 80 Prozent der hauptsächlich pädophil veranlagten Männer rückfällig würden, sagte der Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin am Berliner Universitätsklinikum Charite der Wochenzeitung "Die Zeit" (Donnerstag-Ausgabe).

Der Professor hält daher die Begutachtung von Sexualstraftätern in Deutschland für unzureichend. "Man würde sich schon wünschen, dass man genau weiß, welche Gefahr von den justizbekannten Tätern ausgeht", sagte Beier der Zeitung. Es würden jedoch nur "maximal 10 bis 15 Prozent aller Sexualstraftäter" überhaupt begutachtet, und das nach sehr unterschiedlichen Standards. So sei den Gerichten überlassen, ob sie einen Gutachter hinzuzögen oder nicht. Andere Länder wie etwa die Niederlande würden alle Sexualstraftäter diagnostisch erfassen.

( dpa )