Hamburg: Ein fast perfektes Verbrechen

Fast fünf Jahre Haft für Lidl-Erpresser

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Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der geständige Angeklagte von der Discounter-Kette 1,2 Millionen Euro verlangt hatte. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, hatte der 40-Jährige Mundwasser mit verdünnter Salzsäure versetzt und in Hamburger Filialen der Lebensmittelkette gebracht.

Heilbronn. Das Landgericht Heilbronn hat den Erpresser des Discounters Lidl zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt. Der 40 Jahre alte Geschäftsmann habe sich mit seiner Lösegeldforderung von 1,2 Millionen Euro der räuberischen Erpressung schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Geiger. Der Mann habe in drei Schreiben gedroht, neben mit Salzsäure gefüllten Mundwasserflaschen noch Babynahrung, Marmelade und Weinflaschen unter anderem mit dem Nervengift Botox zu versetzen. "Das war ein fast perfektes Verbrechen", sagte der Vorsitzende Richter. Mit dem Urteil blieb das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die fünf Jahre Haft beantragt hatte. Die Verteidigung hatte vier Jahre gefordert.

Der Angeklagte hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er nahm das Urteil an, womit es rechtskräftig ist. Richter Geiger sagte, wären bei der Erpressung Menschen zu Schaden gekommen, wäre das Urteil höher ausgefallen. "Es ist klar, dass bei einer solchen Straftat nicht nur die Firma in Probleme geraten, sondern dass es auch für die Öffentlichkeit gefährlich werden kann", sagte Geiger. Strafmildernd sei, dass der Angeklagte zur Zeit der Erpressung drogen- und spielsüchtig sowie in Geldnöten war. "Er hatte hohe Schulden. Er musste seinen Kokainkonsum und seiner Verlobten ein geregeltes Leben finanzieren", sagte der Richter.

Im Januar 2006 habe er erstmals ein Schreiben an die Lidl-Zentrale in Neckarsulm geschickt. Zuvor habe er drei Mundwasserflaschen in Hamburger Filialen verteilt. Lidl habe nicht reagiert, die Flaschen aber sichergestellt. Monate später habe er seine Lösegeldforderung erneuert, nachdem ihm sein Arbeitgeber in Dänemark seinen Lohn nicht bezahlt habe. Lidl habe das Geld auf ein Kreditkartenkonto ausbezahlt, von dem er es mit einer selbst programmierten Kreditkarte holen konnte, sagte der Richter. Das Geld habe er in Dänemark, in den Niederlanden und in Frankreich abgehoben. Da die Auszahlung limitiert gewesen sei, habe der Angeklagte nur insgesamt 20.375 Euro abgehoben. Davon seien 4000 Euro bei seiner Festnahme am 30. Juni 2006 beschlagnahmt worden. Das Geld sei für Drogen und Spielwetten ausgegeben worden.

Geiger sagte, den Plan zu dieser Erpressung habe er von einem Mithäftling in der Untersuchungshaft in Schwäbisch Hall im Jahre 2003 erfahren. Gegen diesen werde es wohl demnächst ein weiteres Verfahren wegen Anstiftung zur Erpressung geben, sagte der Richter. Diesem drohe dann Sicherungsverwahrung, ergänzte der Staatsanwalt am Rande des Prozesses.