Kinderbetreuung: EU-Bericht stärkt von der Leyen den Rücken

Brüssel sieht "großes Problem" bei Kinderbetreuung in Deutschland

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Erst am Montag hatte die Unionsführung den Bedarf an einem Ausbau der Kinderbetreuung in Frage gestellt und damit die Pläne von Ursula von der Leyen konterkariert. Jetzt stärkt ein EU-Kommissions-Bericht der Familienministerin den Rücken.

Brüssel. In ihrem Bericht zum Stand der Gleichstellung von Mann und Frau in Europa sieht die EU-Kommission "ein großes Problem" bei der Kinderbetreuung in Deutschland. Die Öffnungszeiten der Kinderkrippen reiche offensichtlich ebenso wenig aus wie die Zahl der Plätze in den Einrichtungen, hieß es am Mittwoch in Brüssel bei der Vorlage des Berichts."Die Öffnungszeiten müssen auf eine Vollzeit arbeitende Frau zugeschnitten sein", sagte ein Experte.

Die Kinderbetreuung sei eine wichtige Voraussetzung für die Gleichstellung von Männern und Frauen in der Gesellschaft, betonte die Kommission. In Ländern mit guten Betreuungsangeboten seien Frauen häufiger berufstätig und bekämen zugleich mehr Kinder als in anderen Mitgliedstaaten. "Es gibt also eine deutliche Verbindung zwischen der Beschäftigungsrate von Frauen und der Geburtenrate", sagte der Experte. Er nannte Dänemark und Schweden als Beispiele.

Am Montag hatte die Unionsführung von Familienministerin von der Leyen noch eine Bedarfsanalyse für den von ihr geplanten Ausbau der Kinderbetreuung verlangt. SPD-Politiker hatten der Unionsspitze daraufhin vorgeworfen, ihrer eigenen Ministerin in den Rücken zu fallen.

Kritik musste die Union auch vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (Zdk) einstecken. ZdK-Präsident Joachim Meyer bezeichnete die Ergebnisse der Koalitionsrunde als "große Enttäuschung". Offenbar hätten sich "jene in der Union durchgesetzt, welche die Realität junger Familien immer noch nicht wahrhaben wollen und sich hinter der Forderung verstecken, man müsse erst den Bedarf feststellen", erklärte er. "Mit solcher Art von Politik wird Deutschland seinen Familien nicht gerecht und bleibt in seiner Zukunft dramatisch gefährdet."

Unterdessen sieht Ursula von der Leyen die parteiinternen Widerstände nüchterner. Im ARD-Morgenmagazin bezeichnete sie die Vorgabe des Koalitionsausschusses als große Chance. "Wir haben jetzt eine Straße festgelegt, die wir gehen können." Am 2. April will sich von der Leyen mit den Familienministern der Länder zusammensetzen, um den Bedarf zu klären. Dabei sollten auch Finanzierungswege ausgelotet werden, sagte die Ministerin. "Schauen wir uns die Zahlen an, hören wir die Experten, und dann werden wir sehen, dass Deutschland in Europa derzeit bei der Kinderbetreuung im unteren Drittel zu finden ist." Am 16. April will von der Leyen dem Koalitionsausschuss ein Konzept zum Ausbau der Krippenplätze vorlegen.

( dpa, ap, abendblatt.de )