Genfer Automobilsalon: Aussteller überbieten sich mit sparsamen Modellen

Jetzt sind die Verbraucher am Zug

Lesedauer: 3 Minuten

Mit dem klaren Bekenntnis zu spritsparenden Motoren und weniger Schadstoffausstoß ist die Autoindustrie zur Eröffnung des Genfer Automobilsalons in die Offensive gegangen. Ohne eine entsprechende Nachfrage, wird es der Umwelt jedoch kaum nutzen.

Genf. Als erste große Fahrzeug-Leistungsschau des Jahres gibt der Genfer Salon in der Branche traditionell den Ton für die kommenden Monate an. Die diesjährige Ausstellung ist so stark wie bisher keine andere Automesse von der Klimadebatte geprägt. Der Salon ist noch bis zum 18. März geöffnet.

Zur Eröffnung am Dienstag überboten sich die Hersteller förmlich in der Präsentation neuer verbrauchsarmer Modelle. "Wir erkennen die Notwendigkeit zur CO2-Reduzierung eindeutig an", sagte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche. VW-Chef Martin Winterkorn betonte, sein Unternehmen gebe in Sachen Klimaschutz und Sparsamkeit den Takt vor.

Opel-Chef Hans Demant erinnerte unterdessen die Verbraucher an ihren Einfluss auf die Modellpolitik der Autohersteller. Opel habe schon vor Jahren ein Drei-Liter-Auto mit einem CO2-Ausstoß von 120 Gramm angeboten. Doch diese Modelle seien am Markt nicht nachgefragt worden. Sollten die Konsumenten jetzt entsprechende Angebote wünschen, sei die Autoindustrie bereit, diese auch zu liefern.

Die zuletzt vor allem in Deutschland als Schmutzfinken beschimpfte Branche machte in Genf klar, dass sie sich nicht länger in die Defensive drängen lassen will. "Als Europas Nummer eins fühlen wir uns verpflichtet, auch beim Klimaschutz die Nummer eins zu sein", sagte Winterkorn bei der Vorstellung des neuen Polo Blue Motion. Der Kleinwagen verbraucht laut VW nur 3,9 Liter auf 100 Kilometer und unterschreitet mit einem CO2-Aussstoß von 102 Gramm je Kilometer deutlich den vor kurzem von der EU verordneten Grenzwert von 130 Gramm bis zum Jahr 2012. In der Mittelklasse bietet VW den Passat Blue Motion als "extrem wirtschaftliches Modell" an.

Den Vorwurf, die deutsche Autoingenieure hätten die Entwicklung verschlafen, wies Zetsche energisch zurück. "Wir bei Mercedes haben im Smart das Fahrzeug mit dem niedrigsten CO2-Ausstoß von nur 88 Gramm", sagte Zetsche. Mercedes setzt dabei nach wie vor auf eine Weiterentwicklung der Dieseltechnologie. Die in Genf erstmals präsentierte "Bluetec"-Abgasreinigungstechnik in Kombination mit einem sparsamen Vierzylindermotor bezeichnete Zetsche als "Riesenschritt nach vorn". Bei einer Leistung von 170 PS benötigt die Vision C 220 Bluetec laut Mercedes nur 5,5 Liter Diesel pro 100 Kilometer.

Zetsche rief die Politik dazu auf, ihren Beitrag dazu zu leisten, das Verhalten der Verbraucher in Sachen Spritsparen und Klimaschutz zu beeinflussen. Der Hybridantrieb eigne sich nur für bestimmte Einsatzgebiete. "Das Verhältnis von Nutzen und Aufwand ist nicht übermäßig vielversprechend", sagte er. Dennoch will Mercedes diese Technik weiterentwickeln und hat deshalb in der vergangenen Woche mit BMW eine enge Zusammenarbeit vereinbart.

Während die deutschen Unternehmen noch entwickeln, nutzte Hybrid-Marktführer Toyota die Genfer Show zur Präsentation seiner neuesten Konzeptautos, die mit der Mischung aus Verbrennungs- und Elektromotor angetrieben werden. Der japanische Hersteller hat seit 1997 bislang 650 000 Hybrid-Fahrzeuge seines Erfolgsmodells Prius verkauft. Und ein Ende des rasanten Wachstums ist nicht in Sicht: Bis 2010 peilt der Autobauer einen jährlichen Absatz von einer Million Hybridfahrzeuge an, wie Toyota Europachef Thierry Dombrevail in Genf ankündigte.

( ap, abendblatt.de )