Versorgung: Energie-Riesen drohen Kartellstrafen

Stromkonzerne wollen sich selbst zerschlagen

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Die EU-Kommission will die Konzerne zerschlagen, um die Preise zu senken. Doch die Stromversorger wehren sich - und schmiedeten einen kuriosen Plan.

München. Die deutschen Energiekonzerne wollen einem Zeitungsbericht zufolge mit einer gemeinsamen grenzüberschreitenden Strategie ihre milliardenteuren Netze schützen und hohe Kartellstrafen abwenden. Die Konzerne wollten mit den intern geschmiedeten Plänen verhindern, von der EU-Kommission zerschlagen zu werden mit dem Ziel, Strom und Gas zu verbilligen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag. Mehrere Konzerne hätten der EU angeboten, die Leitungen für Strom und Gas mit Unternehmen aus Nachbarländern zu bündeln. Eine unabhängige Gesellschaft soll die Netze Deutschlands, Frankreichs und der Benelux-Staaten verwalten.

Die Konzerne wollten damit scharfe Auflagen aus Brüssel und Berlin abwenden, hieß es. Die großen deutschen Versorger RWE, Eon, Vattenfall und EnBW sind wegen der Preissteigerungen bei Strom und Gas politisch schwer unter Druck gekommen. Die EU-Kommission will die Konzerne nach britischem Vorbild zerschlagen, um die Preise zu senken. Die Unternehmen sollen das Eigentum an den Netzen verlieren, damit sie neue Wettbewerber nicht mehr hindern können, die fremden Leitungen zu vertretbaren Gebühren zu benutzen. Mit ihrem Angebot eines Netz-Pools wollen die Konzerne die Zerschlagung verhindern.

Für die Unternehmen hätte diese Lösung dem Bericht zufolge mehrere Vorteile. Sie könnten die Netze behalten, die ein Milliardenvermögen bedeuten. Wegen der Leitungen bescheinigen Ratingagenturen Energiekonzernen eine hohe Kreditwürdigkeit, was am Kapitalmarkt viel Geld wert ist. Ein Netzpool würde auch bedeuten, dass die nationalen Märkte zu einem regionalen Energiemarkt der fünf Staaten zusammenwachsen. Durch diese Neudefinition hoffen einige Manager, Kartellstrafen von EU-Wettbewerbskommissarin Nellie Kroes abzuwenden, die bei RWE, Eon und anderen mehrfach Razzien vornehmen ließ.

Die "SZ" zitierte einen Sprecher der EU-Wettbewerbskommissarin mit den Worten, Brüssel beharre auf der Zerschlagung der Konzerne. Kroes glaube, dass sich die Preise nur senken ließen, wenn die Konzerne die Netze verlieren. Die Energiebranche setzt aber darauf, mit ihrem Angebot bei anderen Politikern wie Energiekommissar Andris Piebalgs Gehör zu finden.

( afp )