Die Auferstehung des Ronny Ackermann: Drittes WM-Gold in Serie

Ronny Ackermann bleibt der nordische Ski-König. Am Sonnabend gewann der Kombinierer aus Dermbach bei den Ski-Weltmeisterschaften in Sapporo seinen dritten Titel in Serie im Einzel und überraschte damit alle.

Sapporo. Ronny Ackermann bleibt der nordische Ski-König. Am Sonnabend gewann der Kombinierer aus Dermbach bei den Ski-Weltmeisterschaften in Sapporo seinen dritten Titel in Serie im Einzel und überraschte damit alle - am meisten aber sich selbst. Nach Platz fünf im Springen lief er über 15 Kilometer ein engagiertes Rennen, schloss schnell zu den vor ihm gestarteten Kontrahenten auf und ließ in der letzten Runde auch noch den Finnen Anssi Koivuranta stehen, der am Ende sogar noch vom Amerikaner Bill Demong überspurtet wurde.

"Das kommt alles so unerwartet, ich muss es selbst erst einmal verdauen", sagte Ackermann, der seinen bislang letzten Sieg bei einem internationalen Wettkampf bei der WM in Obsterdorf vor zwei Jahren errungen hatte. Seitdem musste der "Sportler des Jahres 2005" viele Rückschläge einstecken. Die Umstellung auf die neuen Anzüge klappt nicht wie gewünscht, vor der Saison musste er sich nach dem Rückzug seiner bisherigen Skifirma auch an komplett neues Material gewöhnen.

"Ich habe gemerkt, dass ich eigentlich dabei bin, aber der letzte Zug fehlte immer. Mir war klar, dass es ganz weit nach vorn gehen kann, wenn ich einmal konstant springe", sagte der 29-Jährige, der nach den drei gleichmäßig guten Sprüngen auf der Normalschanze in Sapporo schon mit einer Medaille geliebäugelt hatte. Doch erst auf der Ziellinie war er sich seines neuerlichen Coups sicher. "Ich war am Ende, das Rennen hätte keine 500 Meter weiter gehen dürfen. Ich habe meine Beine nicht mehr gespürt", beschrieb er die Sekunden des Erfolglaufs.

Im Ziel hatte er Tränen in den Augen. "Ich ertrage meine Schmerzen meist für mich, deshalb freue ich mich am liebsten auch für mich", nannte der Thüringer den Grund für die Momente der inneren Rührung.

Bundestrainer Hermann Weinbuch fiel ein Stein vom Herzen, als sein Sorgenkind der vergangenen Jahre jubelnd die Ziellinie passierte. "Ich freue mich sehr für Ronny. Er musste in der Vergangenheit hart arbeiten, jetzt hat er es zurückbekommen. Er hatte natürlich auch etwas Glück, dass er im zweiten Durchgang des Springens als einziger unserer drei Top-Athleten guten Wind hatte", sagte der Coach.

Er hatte sich immer wieder in besonderer Weise um Ackermann gekümmert, vor der WM 2005 und sogar während der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin Sonderschichten mit seinem Schützling eingelegt, um ihn zu großer Form zu bringen. "Er ist einer, der gern im Mittelpunkt steht und den man dann auch mal richtig zurückpfeifen muss. Aber es hat immer eine positive Wirkung, wenn man ihm die Meinung sagt. Er versteht es und fordert es gerade", erzählte Weinbuch.

Während Ackermann ankündigte, sich am Samstagabend bis zum Abflug am Sonntag noch betrinken zu wollen, musste Weinbuch Aufbauarbeit betreiben. Der zweifache Medaillengewinner Björn Kircheisen (Johanngeorgenstadt) hatte sich mehr ausgerechnet als Platz sieben. Und auch Olympiasieger Georg Hettich (Schonach-Rohrhardsberg) schlich frustriert von dannen. Bei seinem einzigen WM-Start war er als 29. ins Ziel gekommen und hatte damit seine eigenen Erwartungen weit verfehlt.