Nach Selbstmordversuch:

Mutmaßlicher Mörder Mitjas gefasst

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Der 43-jährige Uwe K. warf sich nach tagelanger Flucht am Donnerstag in Schkeuditz vor eine Straßenbahn - nur rund 200 Meter vom Tatort entfernt. Der mehrfach vorbestrafte Kinderschänder kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus, ist aber außer Lebensgefahr.

Leipzig/Schkeuditz. Er solle so schnell wie möglich vernommen werden, erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft nach dem Fahndungserfolg. Der Mann soll den Jungen sexuell missbraucht und erstickt haben. Die Leiche wurde in dessen Gartenlaube gefunden.

Er werde strengstens bewacht und soll schnellstmöglich in ein Haftkrankenhaus verlegt werden, sagte der Leipziger Polizeipräsident Rolf Müller. "Den lassen wir jetzt keine Sekunde aus den Augen." Nach Einschätzung der Ermittler habe Uwe K. wegen des hohen Fahndungsdrucks aufgegeben. "Er wusste nicht mehr weiter und hat dann die Flucht selbst beendet", sagte Müller. Seit Sonntag hatten hunderte Polizisten mit Fährtenhunden, einem Hubschrauber und der Reiterstaffel große Gebiete nördlich von Leipzig abgesucht. Das große Gelände sei sehr schwierig und unwegsam. Daher habe die Suche eine Woche gedauert. Gegen Uwe K. wurde Haftbefehl erlassen. Über die Vernehmungsfähigkeit müssten die Ärzte entscheiden, sagte der Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft, Ricardo Schulz.

Mitja ist nach bisherigen Erkenntnissen entweder in der Wohnung oder im benachbarten Kleingarten seines mutmaßlichen Peinigers getötet worden. Beide Orte kämen für die Tat in Frage, hieß es. Bei der Spurensicherung seien zahlreiche Beweise sichergestellt worden. Über den Fluchtweg gebe es dagegen noch wenige Informationen. "Wir wissen zum Beispiel noch nicht genau, wo er geschlafen hat", sagte Müller. Der Mann habe aber praktisch keine Chance gehabt. Er habe sich in der Gegend sehr gut ausgekannt. Mit Fährtenhunden sei noch in den Morgenstunden ein Teil des letzten Weges vor dem Suizid-Versuch rekonstruiert worden.

Unterdessen erklärte die Anwältin von Mitjas Familie, Ina Alexandra Tust, ihre Mandanten seien zur Zeit bei Freunden untergebracht und würden von Seelsorgern betreut. Das Ziel der Familie sei es aber, wieder im gewohnten Umfeld leben zu können. "Wir bitten Sie, die Familie nicht aufzusuchen, um Informationen zu erlangen", appellierte die Anwältin an Journalisten.

Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) dankte der Bevölkerung und der Polizei. "Ich bin unendlich froh, dass der hohe Fahndungsdruck unserer Einsatzkräfte nun dazu geführt hat, Mitjas mutmaßlichen Mörder zu fassen", erklärte Buttolo in Dresden. "Das professionelle Handeln der Polizei in Verbindung mit den wertvollen Hinweisen aus der Bevölkerung waren Grundlage für diesen Erfolg."

( dpa )