Trotz Regierungskrise

Prodi kommt zum Matthiae-Mahl!

Trotz der schweren Regierungskrise in Italien will Ministerpräsident Romano Prodi am Freitagabend wie geplant als Ehrengast an der Hamburger „Matthiae-Mahlzeit“ teilnehmen.

Hamburg. Eine Sprecherin der italienischen Botschaft in Berlin sagte am Donnerstag unter Berufung auf den Sekretär des Botschafters, Prodi werde am Freitag zum Essen erscheinen, um dann sofort wieder abzureisen. Als weiterer Ehrengast beim ältesten noch zelebrierte Festmahl der Welt ist der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, geladen. Insgesamt werden rund 400 Gäste erwartet.

Prodi war am Mittwoch nach nur neun Monaten als Ministerpräsident wegen eines Abstimmungsstreits in Rom zurückgetreten. Senatoren der Kommunisten und Grünen hatten ihm die weitere Stationierung von knapp 2000 Soldaten in Afghanistan verweigert. Italienische Medien rechneten damit, dass Prodi nach seinem Rücktritt erneut mit einer Regierungsbildung beaufragt werden könnte. Prodi stellte jedoch bereits klar, dass er nur dann erneut zur Regierungsübernahme bereit sei, wenn er über eine "eisenharte Mehrheit" verfüge.

Die Hansestadt lädt seit 1356 zur Matthiae-Mahlzeit ins Rathaus ein. Der Namen geht auf den Matthiae-Tag, den 24. Februar, zurück. An diesem Tag erfolgten nach historischer Überlieferung regelmäßig "im Rathaus die Geschäfte des Präsidiat-Wechsels und der Abänderung der Rathsrolle durch anderweite Vertheilung der Rathsämter". Seither ist es Brauch, zum Matthiae-Tag die "Vertreter der Hamburg freundlich gesonnenen Mächte" zur Tafel zu bitten und ihnen "ein Messer aufzudecken". Dies galt in Zeiten, als noch mit Fingern gegessen wurde, als Zeichen besonderer Hochachtung.

Bei früheren Matthiae-Mahlzeiten waren der kaiserliche Gesandte und der holländische Gesandte Ehrengäste. Heute werden stets ein ausländischer und ein deutscher Ehrengast eingeladen. Traditionell empfängt Hamburgs Bürgermeister die Gäste am oberen Absatz der Senatstreppe - um nicht in die Verlegenheit zu kommen, einem zu Pferde angereisten Staatsgast die Steigbügel halten zu müssen. Prominente Gäste der vergangenen Jahre waren unter anderem das Kronprinzenpaar Dänemarks, Österreichs Kanzler Wolfgang Schüssel und Jordaniens König Abdullah II.