Irak-Krise: Monarchie beweist Einsatzwillen

Der Prinz kütt!

Großbritannien zieht seine Truppen aus dem Irak ab – und schickt ihren Prinzen hin. Was die geballte militärische Macht der Insel nicht geschafft hat, soll Prinz Harry im Alleingang erledigen. Bleibt zu hoffen, dass die nahöstliche Mentalität der britischen Prinzenparade mit karnevalistischem Gleichmut begegnet. In diesem Sinne: Narhalla Marsch!

London. Prinz Harry, der jüngere Sohn des britischen Thronfolgers Prinz Charles, zieht mit seinem Regiment in den Irak. Das Verteidigungsministerium in London bestätigte am Donnerstag entsprechende Medienberichte. Der 22-jährige Prinz, der an dritter Stelle in der Thronfolge steht und bislang vor allem als Party-Prinz und Rebell auf sich aufmerksam gemacht hatte, ist Leutnant im Blues-and-Royals-Kavallerieregiment. Dieses soll voraussichtlich im Mai oder Juni für sechs bis sieben Monate im Irak eingesetzt werden. Harry ist das erste Mitglied des britischen Königshauses seit 25 Jahren, das aktiv in einem Konflikt eingesetzt wird. Damals war sein Onkel, Prinz Andrew, in den Falkland-Krieg gezogen.

Schon lange war Harry nachgesagt worden, dass er mit der Armee in den Irak ziehen wolle. Seit der Sohn von Prinzessin Diana an einem Spezialtraining teilnahm, verdichteten sich die Hinweise darauf - auch wenn eine Ministeriumssprecherin entsprechende Berichte noch vor wenigen Tagen als "vollständig spekulativ" abgetan hatte. Schließlich hatte der 22-Jährige zu seinem 21. Geburtstag verkündet: "Das Letzte, was ich tun würde, ist zu Hause auf meinem Hintern zu sitzen, während meine Kameraden draußen für unser Land kämpfen." Harrys Freundin Chelsy Davy hatte sich laut "Sun" bereits besorgt bei Freunden geäußert, dass Harry sich "auf in den Krieg" mache.

Zu dem Spezialtraining, das Harry laut Medienberichten in der Vergangenheit absolvierte, gehörte eine Einweisung in das Arabische, in die irakischen Sitten und in andere spezifische Lebensbedingungen. Harrys Regiment ist in mehreren Ländern der Welt im Einsatz.

Im Gegensatz zu seinen pflichtbewussten Äußerungen war Harry in der Vergangenheit vor allem durch Trinkfreudigkeit aufgefallen. Erst Anfang Februar war er laut Boulevardpresse durch mehrere Londoner Klubs gezogen und angeblich mit einer attraktiven Brünetten verschwunden. Dabei hatte es eine Zeit lang den Eindruck gemacht, dass die Zeiten vorbei seien, in denen er betrunken durch die Straßen zog, sich auch mal eine Prügelei mit Fotografen lieferte und in einer Nazi-Uniform zu einem Kostümfest erschien.

Auch Harrys Onkel, Prinz Andrew, war 22 Jahre alt, als er 1982 an die Front ging. Er flog während des Kriegs mit Argentinien um die Hoheitsrechte über die Falklandinseln einen Armeehubschrauber. Die britische Öffentlichkeit hatte damals große Bedenken gegen diesen Einsatz. Seine Mutter und Harrys Großmutter, Königin Elizabeth II., bestand jedoch darauf, dass er seinen Einsatz trotz der Risiken fortsetzen sollte.

Großbritannien gehört im Irak zu den engsten Verbündeten der USA, die dort rund 138.000 Soldaten stationiert haben. Nach den USA stellte Großbritannien in den vergangenen Jahren die größten Truppenkontingente. Am Mittwoch kündigte Regierungschef Tony Blair jedoch an, in den kommenden Monaten mit dem Abzug der Truppen zu beginnen.