Fußball: Champions-League-Klassiker

Aufbau-Gegner Real Madrid

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Die Stürmer treffen nicht, der Trainer angeblich zurückgetreten: Die königliche Litanei des Ex-Top-Clubs aus Madrid nimmt kein Ende. Die Bayern wird’s freuen. Makkay und Co wollen Real noch tiefer in die Krise schießen – um die eigene vielleicht doch noch abzuwenden.

Madrid. Aufregung bei Real Madrid 24 Stunden vor dem Champions-League-Spiel gegen Bayern München: Der spanische Radiosender Cadena COPE berichtete, Real-Trainer Fabio Capello habe seinen Rücktritt erklärt und werde im Achtelfinalhinspiel gegen den deutschen Meister zum letzten Mal bei Real auf der Bank sitzen. Der Club dementierte umgehend die Meldung.

"Uns ist davon nichts bekannt", erklärte Reals Vorstandssprecher Miguel Ángel Arroyo am Montag. "Capello hat weder schriftlich noch mündlich seinen Rücktritt erklärt." Der Sprecher wollte allerdings nicht bestätigen, dass der Trainer im Lokalderby bei Atletico Madrid am kommenden Wochenende noch auf der Bank sitzen wird. "Capello wird im Spiel gegen Bayern noch Real-Trainer sein, aber was dann kommt, ist ungewiss", umschrieb der staatliche Rundfunk RNE die verworrene Lage.

Viele Real-Fans und Teile der spanischen Presse erheben schon seit Wochen die Forderung nach einer Entlassung oder einem Rücktritt des Coaches. Kurz vor dem Bayern-Spiel hieß es in der Sportpresse, Real- Präsident Ramón Calderón wolle Capello nach Möglichkeit bis zum Saisonende im Amt halten, weil der Club dem Italiener sonst eine Entschädigung von 16 Millionen Euro zahlen müsste. Im Falle eines Debakels gegen die Bayern könnten die Ereignisse sich überstürzen.

Real steckt seit Wochen in einer Krise. Die "Königlichen" spielen kaum Chancen heraus, sie schießen fast keine Tore, von der Spielkultur und dem Glanz vergangener Zeiten ist nichts geblieben. In elf Heimspielen der Primera División erzielten sie nur zwölf Treffer, die schlechteste Ausbeute in der 105-jährigen Vereinsgeschichte. Für das Bayern-Spiel kommen noch Probleme in der Abwehr hinzu. Mahamadou Diarra und Sergio Ramos fallen verletzt aus. Roberto Carlos muss nach einer längeren Verletzungspause vorzeitig sein Comeback geben.

Im Sportblatt "Marca" musste Oliver Kahn dafür herhalten, die Spanier für das Duell mit den Bayern zu motivieren. Der Bayern- Torwart ist so etwas wie der "Lieblingsfeind" der Madrilenen. "Das 'Scheusal' kehrt ins Bernabeu-Stadion zurück, und 80 000 Freunde erwarten es", schrieb das Blatt und druckte ein Foto ab, das einen dreckverschmierten und grimmig dreinblickenden Kahn zeigt. Darüber stand in großen Lettern: "Dies ist der Feind."

Der Kolumnist Roberto Palomar befürchtet mit Blick auf die derzeitige Form beider Teams: "Die Partie Real gegen Bayern könnte für die Zuschauer unerträglich werden. "Real und Bayern sind die schlechtesten Mannschaften im Achtelfinale. Beide waren Zugpferde des europäischen Fußballs. Jetzt sind sie wie rostige Kaffeemaschinen, die nur noch wässrigen und abgestandenen Kaffee produzieren."

Die Madrider Zeitung "ABC" sieht in den kriselnden Bayern "die deutsche Version von Real": "Früher waren die Münchner, selbst wenn sie schlecht spielten, ein unangenehmer Gegner. Das ist heute nicht mehr der Fall. Wegen der Bayern müssen die Madrilenen sich nicht verrückt machen. Die Deutschen spielen ebenso schlecht wie sie, vielleicht sogar noch schlechter."

In einem Punkt sind die Madrilenen allerdings trotz ihrer Krise besser dran als die Münchner: Real kann sich noch immer Hoffnung auf die spanische Meisterschaft machen. Der Club liegt als Vierter der Primera División nur vier Punkte hinter dem Spitzenreiter FC Barcelona zurück.

Und doch: Nach den zuletzt dürftigen Leistungen in der Bundesliga kommt der angeschlagene Konkurrent aus Spanien den Bayern gerade recht. Wäre ein Sieg gegen das Star-Ensemble aus Madrid doch die Initialzündung, die München derzeit so bitter nötig hat. Ein Sieg gegen Real und die bayrische Fußballwelt wäre wieder in Ordnung zumindest bis zum nächsten Bundesliga-Spiel.