Lebenslange Haftstrafen im Prozess um Terroranschläge von Istanbul

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In der Türkei sind sieben mutmaßliche Mitglieder des Terrornetzes El Kaida wegen einer Serie blutiger Bombenanschläge in Istanbul zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden.

Istanbul. In der Türkei sind sieben mutmaßliche Mitglieder des Terrornetzes El Kaida wegen einer Serie blutiger Bombenanschläge in Istanbul zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Mehr als drei Jahre nach den Selbstmordanschlägen gegen zwei Synagogen und britischen Einrichtungen in der größten türkischen Stadt befand sie das Gericht für schuldig, den Tod von 57 Menschen verursacht zu haben. Bei den Terroranschlägen am 15. und 20. November 2003 waren nach Feststellung des Gerichts weitere 647 Menschen verletzt worden. Auch die vier Selbstmordattentäter kamen ums Leben.

Die britische Außenministerin Margaret Beckett begrüßte die Urteile am Samstagmorgen ausdrücklich. "Das waren abscheuliche Taten, von denen zwei gegen britische Interessen gerichtet waren", sagte sie in London. Sie hob die gute Zusammenarbeit mit den türkischen Behörden hervor. "Gute Partnerschaften" seien wichtige Voraussetzung für den effektiven Kampf gegen den Terrorismus.

Bei den zu lebenslanger Haft verurteilten Angeklagten handelt es sich um einen Syrer und sechs Türken. Gegen 40 der insgesamt 73 Angeklagten verhängte das Gericht am Freitagabend Gefängnisstrafen, die von drei Jahren und neun Monaten bis zu 18Jahren reichen. Für 26 Angeklagte endete der Prozess mit Freispruch. Zwei Führungsmitglieder der türkischen El-Kaida-Zelle hatten sich nach den Anschlägen in den Irak abgesetzt. Dort sollen sie türkischen Berichten zufolge ums Leben gekommen sein.

Der Syrer Luai al-Saka, der im August 2005 gefasst worden war, soll vom El-Kaida-Führer Osama bin Laden mit der Ausführung von Terroranschlägen in der Türkei betraut worden sein. Zum Abschluss des Prozesses am Freitag hatten türkische Polizei und Militär die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft. Medienberichten zufolge gab es Geheimdiensthinweise, wonach Al Saka auf der Fahrt vom Gefängnis zum Gericht in Istanbul befreit werden sollte.

Auf die Spur des Syrers, der angeblich auch einen Sprengstoffanschlag auf israelische Kreuzfahrtschiffe geplant hatte, war die türkische Polizei nach einem Brand in einem Haus in Antalya am Mittelmeer gekommen. Das Vorhaben war den Ermittlungen zufolge durch eine vorzeitige Explosion der beschafften Chemikalien aufgeflogen. Bei den Terroranschlägen in Istanbul hatten vier Selbstmordattentäter mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge vor zwei Synagogen, dem britischen Generalkonsulat und einer Niederlassung der britischen HSBC-Bank zur Explosion gebracht.