Beck fordert Chancengleichheit für Kinder

Lesedauer: 3 Minuten

Der Bundesvorsitzende der SPD, Kurt Beck, hat beim Landesparteitag der Sozialdemokraten in Bremen mehr Chancengleichheit und Perspektiven für Kinder gefordert.

Bremen. Der Bundesvorsitzende der SPD, Kurt Beck, hat am Samstag beim Landesparteitag der Sozialdemokraten in Bremen mehr Chancengleichheit und Perspektiven für Kinder gefordert. "Wenn wir es uns leisten, die Fähigkeiten, die in Kindern angelegt sind, nicht zu entwickeln, versündigen wir uns im Sinne von Gerechtigkeit gegenüber den jungen Menschen und machen einen kapitalen Fehler, wenn wir an die demografische Entwicklung denken", sagte Beck vor den 248 Delegierten. Bremens Regierungschef und SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 13. Mai, Jens Böhrnsen, sagte: "Wir müssen ganz früh anfangen mit der frühkindlichen Bildung." Die Bremer SPD beschloss am Samstag einstimmig ihr Programm für die Wahl in drei Monaten.

Eine UNICEF-Studie hatte jüngst dem kleinsten Bundesland attestiert, dass es Kindern in Bremen im Vergleich der Bundesländer am schlechtesten geht. "Wenn ich in Kitas komme wird mir gesagt, dass Kinder am Montag mit Hunger kommen, weil sie am Wochenende nicht genug zu essen hatten", sagte Böhrnsen, der seit rund eineinhalb Jahren Nachfolger von Henning Scherf als Chef im historischen Rathaus ist. "Der Markt wird nicht richten können, dass alle Kinder eine gleiche Chance haben, da ist der Staat gefragt."

An die Adresse von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit ihrem Vorstoß zum Ausbau der Betreuungsangebote für Kleinkinder sagte Böhrnsen: "Als Bürgermeister einer Stadt sage ich, zeigt nicht mit dem Finger auf uns, sondern sagt uns, wie es möglich ist. Wir wollen es, aber bitte helft uns von der Bundesseite, dass wir es verwirklichen können." Beck kündigte an, dass die Sozialdemokraten noch im März ein Finanz-Konzept vorlegen wollten.

Böhrnsen warnte davor, das tragische Schicksal des kleinen Kevin aus politischen Gründen zu instrumentalisieren. "Ich hoffe, dass niemand sich hinreißen lässt, das Schicksal des Jungen parteipolitisch zu missbrauchen." Der tragische Tod des zwei Jahre alten Jungen, der unter Vormundschaft stand und am 10. Oktober tot im Kühlschrank seines Ziehvaters entdeckt worden war, hatte die Menschen in der Hansestadt entsetzt. "Es muss der Anspruch des Staates sein, so ein Schicksal unmöglich zu machen." Zu den sozialpolitischen Ambitionen des Koalitionspartners CDU sagte der Regierungschef: "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die CDU in den vergangenen Jahren den Sozialhaushalt zum Steinbruch machen wollte."

Die Bremer Sozialdemokraten beschlossen am Samstag in der Hansestadt einstimmig ihr Wahlprogramm für die bundesweit einzige Landtagswahl in diesem Jahr. Die SPD stellte in der Nachkriegszeit in der Hansestadt immer den Regierungschef und die stärkste Fraktion. Seit 1995 regieren sie mit dem Juniorpartner CDU in einer großen Koalition. Das Bundesland ist mit 13 Milliarden Euro hoch verschuldet.