Airbus: Spitzentreffen in Berlin

"Power 8" für kommende Woche erwartet

Die Airbus-Spitze will in der nächsten Woche den Betriebsräten des Flugzeugbauers sein Sanierungskonzept „Power8“ vorstellen. Dies sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) am Dienstag in Berlin nach einem Treffen mit Airbus-Chef Louis Gallois und dem EADS-Co-Vorsitzenden Thomas Enders.

Berlin. Das mit Spannung erwartete Sanierungsprogramm solle nach seiner Veröffentlichung als Diskussionsgrundlage für die betroffenen Standorte dienen, sagte Wulff. Man sei sich mit der Konzern-Spitze einig, dass die notwendigen Umstrukturierungsmaßnahmen fair vonstatten gehen müssten und ohne einseitige Lastenverteilung.

Gegenüber der Zeitung die Welt (Dienstagausgabe) äußerte Wulff die Befürchtung, dass sich "manche im Konzern" durch einen Verkauf deutscher Produktionsstätten "Kapital beschaffen wollen". Nach seinen Worten muss überlegt werden, wie bei der Sanierung benötigtes Geld in den Konzern gebracht werden könne. "Denkbar sind eine Kapitalerhöhung und der Verzicht auf bisherige Renditen". Möglich sei daneben, dass staatliche Forschungsmittel, etwa aus europäischen Strukturfonds, in das Unternehmen fließen könnten, so Wulff.

Kritik übte Wulff an DaimlerChrysler. Der Anteilseigner der Airbus-Mutter EADS habe in der Vergangenheit die Luft- und Raumfahrtsparte nicht sonderlich konsequent gefördert und Versäumnisse begangen. "Jetzt will der Konzern aussteigen. Den Zeitpunkt finde ich ganz falsch", sagte Wulff.

Zugleich forderte Wulff "für alle Standorte eine vernünftige Perspektive". Deutschland dürfe nicht "die verlängerte Werkbank von Airbus werden, etwa in der Flugzeugrumpf- und Kabinenfertigung." Auch Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) mahnte: "Die deutschen Standorte dürfen nicht von Entwicklungsmöglichkeiten abgeschnitten werden."

Vor dem Treffen hatte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos im ZDF erneut den Entzug von Rüstungsaufträgen angedeutet, falls die Sanierung des Konzerns die deutschen Standorte übermäßig belastet. Glos sagte, Deutschland sei für den deutsch-französisch dominierten EADS-Konzern auf dem militärischen Sektor der größte Auftraggeber. Verhandlungs-Ziel sei, "dass deutsche Standorte nicht überdurchschnittlich zur Ader gelassen werden bei dem Sanierungsprogramm". Dazu werde man die "deutschen Kräfte bündeln". So könne man auch im Bereich der Auftragsvergabe und Vergabe von Fördermitteln Einfluss nehmen. "Wir werden selbstbewusst in die Verhandlung gehen."

Glos betonte zugleich: "Klar ist, dass wir keinen staatlich gesteuerten Airbus-Konzern wollen, sondern ein wettbewerbsfähiges Unternehmen, das die Konkurrenz zu Boeing besteht." Glos deutete an, dass in dem Konzern eine falsche Arbeitsplatzpolitik betrieben wurde. "Bisher haben wir zu sehr darauf geschaut, dass Arbeit vergeben wird in Deutschland und Frankreich. Airbus war eine Art "Arbeitsbeschaffungsgesellschaft"." Experten kritisieren seit langem, dass in dem Konzern zu oft Produktionen und Arbeitsplätze - auch im Management - nach Proporz vergeben worden sind, und nicht nach unternehmerischen Aspekten.