Terror: Neue Anschläge in Bagdad

Dutzende Tote nach Bombenserie

Der verheerendste Sprengsatz explodierte in einer Tiefgarage und riss mindestens 59 Menschen in den Tod. Weitere 148 Personen wurden verletzt. Laut Polizei wird die Zahl der Todesopfer noch steigen.

Bagdad. Bei einem Bombenanschlag auf eine Tiefgarage in Zentrum von Bagdad sind am Montag mindestens 59 Menschen getötet worden. Die Polizei erklärte, 148 Menschen hätten Verletzungen erlitten. Es sei wahrscheinlich, dass die Zahl der Todesopfer noch ansteigen werde. Schwarzer Rauch stieg mehrere hundert Meter über dem Markt im östlich Ufer des Tigris' auf. Ein zweiter Anschlag kostete neun weitere Menschen das Leben. Die blutigen Anschläge wurden nach dem muslimischen Mondkalender am Jahrestag des Anschlags auf eine den Schiiten heilige Moschee in Samarra verübt. Die irakische Regierung hatte am Montag zu einer 15-minütigen Gedenkzeit in Erinnerung die Tat vor einem Jahr aufgerufen. Es war nicht klar, ob eine oder zwei Bomben in der Tiefgarage in der Nähe des Marktes im Bezirk Schorja explodierten. Trümmerteile lagen auf der Straße verteilt, die teilweise noch brannten. Aus der Garage, in der hunderte Autos geparkt waren, schlugen Flammen.

Mindestens neun Tote durch Paketbombe Etwa eine halbe Stunde zuvor war ganz in der Nähe eine Paketbombe in der Nähe eines beliebten Falafel-Restaurants explodiert. Die Polizei erklärte, mindestens neun Menschen seien getötet und weitere 19 verletzt worden. Die Menschen in dem Stadtteil riefen nach den Detonationen "Wo ist die Regierung?", "Wo ist der Sicherheitsplan" und "Wir haben genug". Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte am Wochenende angekündigt, dass die seit Tagen erwartete Offensive der irakischen Sicherheitskräfte in Bagdad demnächst beginnen werde. Die Offensive werde nicht in einem bestimmten Gebiet beginnen, sondern überall gleichzeitig, sagte al-Maliki. Alle Abteilungen der Streitkräfte und der Polizei seien an dieser Aktion beteiligt, die die Sicherheitslage in Bagdad nachhaltig verbessern solle.

Geistlicher fordert Zurückhaltung Al-Maliki forderte in einer Stellungnahme alle Verwaltungsbüros und alle Bürger auf, in den Moscheen "Gott ist groß" zu rufen und die Glocken zu läuten. Der Anschlag in Samarra vor einem Jahr habe das Land in blinde Gewalt gestürzt, die tausende Unschuldige das Leben gekostet habe, erklärte der schiitische Großayatollah Ali al Sistani. Er forderte den Wiederaufbau der zerstörten Kuppel der Moschee. Gleichzeitig verlangte der Geistliche von seinen Anhängern Zurückhaltung. Gewalt gegen die sunnitischen Brüder, die für den Anschlag verantwortlich gemacht werden, dürfe es nicht geben. In Kerbela im Süden des Iraks zogen am Montag rund 16.000 Demonstranten zu zwei schiitischen Heiligtümern. Die Demonstranten trugen Plakate mit der Aufschrift "Nein zum Terrorismus" und "Die Iraker sind ein Volk". Hunderte Polizisten sicherten den Protestmarsch, zu Ausschreitungen kam es nicht.